Literatur und Hinweise

Literatur: Heckenschutz und Biotopverbundsysteme

von Heckenschutz | Dezember 20, 2010

 

Literatur: Heckenschutz und Biotopverbundsysteme

>Herwig Brandt, Mehr Bäume!, Natur & Umwelt Verlag, Bonn 1998, ISBN 3-924749-16-7, jetzt: BUNDladen, Berlin (www.bund.net).

>Für ca. 5,– € kann man den Katalog der Gärtnerei Strickler, Lochgasse 1, 55232 Alzey-Heimersheim erhalten (www.gaertnerei-strickler.de). In diesem Katalog wird umfassend über alle möglichen Arten von Hecken informiert. Er liefert sogar Rezepte für Wildfrüchte und weitere viele interessante Details und ist besser als so manches „Fachbuch“.

>Hermann Benjes, Die Vernetzung von Lebensräumen mit Benjeshecken („Das erfolgreichste Flurbelebungskonzept der Naturgeschichte!“, Spiegel spezial 2/95), Natur & Umwelt Verlags GmbH Bonn, 5. überarbeitete Auflage 1998, (Nr.: 39.036, BUNDladen, Berlin, www.bundladen.de, 9,98 € - http://naju-wiki.de/index.php/Bau_einer_Benjeshecke

>J. Kruse, Zu viel Grün im Wendland?, BUNDmagazin (Landesteil Niedersachsen: S. 2), H. 2/2003; http://www.bund-niedersachsen.de/index.php?id=10110
auch: Zu viel Grün?, Hecken schützen, in: BUNDschau, H. 3/2003, S. 20-21;
>Jürgen Kruse, Blühende Landschaft-vitale Bienen-erfolgreiche Imkerei, Hecken als Lebensraum, in: Allgemeine Deutsche Imkerzeitung, die biene u. in imkerfreund, Heft 5-2007, S. 20 – 22.
http://heckenschutz.de/wp-content/uploads/2013/05/Artikel-Hecken-Imkerzeitschr.-05-2007.pdf

Gibt es solche Hecken mit Bienenweide und Vogelnährgehölzen bald nur noch in wenigen besonders geschützten Gebieten? Hier eine Hecke bei Penkefitz-Dannenberg (Wendland) - 2007:

>Grundlegender Artikel zum Thema “Hecken” bei wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Hecke

>Norbert Knauer, Ökologie und Landwirtschaft, Verlag E. Ulmer, Stuttgart 1993, u.a.: Hecken der Agrarlandschaft, S. 96-114.

>Kurz/Machatschek/Iglhauser, Hecken, Geschichte und Ökologie, Anlage, Erhaltung&Nutzung, L. Stocker Verlag, Graz/Stuttgart
2001.

>G. Höft, B. Milde, Dr. D. Rödel, Biotopverbundplanung, Westfälisches Amt für Landespflege, Landschaftsverband Westfalen-Lippe-Koordinationsstelle Umweltschutz, Münster 1989 (dort: wertvolle Literaturhinweise!).

>Vom grünen Band zum grünen Netz, Stiftung Naturlandschaft, Hannover 2003, (Goebenstr. 3a, 30161 Hannover, T.: 511-965690).

>Landschaftselemente in der Agrarstruktur, Entstehung, Neuanlage und Erhalt, Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V., Ansbach 2007 (u.a. zur Heckenpflege: S. 62-74).

Auch den ehemals schönen Knicks in Schleswig-Holstein geht es an den Kragen: Gezielte Verstümmelung eines Knicks im Rahmen einer "Pflegemaßnahme" (bei Pommerby-Siedlung) - August 2011

 

>Siehe zur Pflege von Hecken besonders die Empfehlungen des Arbeitskreises Heckenschutz (Stichwort “Naturnahe Heckenpflege”): z.Zt. nur über:
http://www.bluehende-landschaft.de/fix/docs/files/ak-heckenschutz-vorschlaege-pflegerichtlinie.pdf

>Heckenschutz-Merkblatt, Info5, Neue Chancen für die Natur, Region Hannover, Fachbereich Umwelt, Hannover 2002: http://www.hannover.de/content/download/229508/3560153/version/2/file/Heckenschutz-Merkblatt.pdf dort auch "Heimische Gehölze" und "Gewässerpflege": http://www.hannover.de/Leben-in-der-Region-Hannover/Umwelt/Naturschutz/Publikationen/Neue-Chancen-f%C3%BCr-die-Natur  

Siehe auch die "Arbeitshilfe zur Anlage und Pflege von Hecken in der Landschaft" des Landkreises Borkenwww.kreis-borken.de/fileadmin/internet/downloads/fe66/1.2_natur/Hecken_in_der_Kulturlandschaft.pdf  oder die "Empfehlungen zur landschaftsgerchten Heckenpflege" des Landkreises Lüchow-Dannenberg: http://www.luechow-wendland.de/Portaldata/2/Resources/kld_dateien/landkreis/landkreis_dokumente/Empfehlungen_zur_landschaftsgerechten_Heckenpflege.pdf

Siehe auch zu den Schutzfunktionen einer Hecke: http://niedersachsen.nabu.de/tiereundpflanzen/hecken/04716.html  und zur Heckenpflege: http://niedersachsen.nabu.de/tiereundpflanzen/hecken/04719.html

Landschaftsgerechte Heckenpflege - Präsentation: http://www.lueneburg.de/Portaldata/1/Resources/lklg_dateien/lklg_dokumente/6_bauen_und_umwelt/61_umwelt/Landschaftsgerechte_Heckenpflege.pdf

>Hecken-Wertvolle Bestandteile unserer Landschaft, und: Krautsäume sind Lebensräume, Hefte 4 und 7 der Reihe: Naturschutz im Kreis Wesel, Wesel 1994 und 1996 (Landschaftsbehörde und Biologische Station im Kreis Wesel).

>Gehölzschnitt an Straßen, Faltblatt des Landschaftsverbandes Rheinland, Köln 1998; heute -”abgespeckt”- “Zehn Regeln der Gehölzpflege”: Gehölze an Straßen, Gute Pflege - mit Sicherheit, Landesbetrieb Straßenbau NRW, 2009 http://www.strassen.nrw.de/_down/pub_gehoelzpflege.pdf

Broschüren: “Pflanzung von Hecken und Feldgehölzen mit regionalen Artenlisten” und: “Landschaftsgerechte Heckenpflege”, Stiftung Kulturlandpflege, Hannover; http://www.stiftungkulturlandpflege.de/fachinformationen.html

Thomas van Elsen/ Götz Daniel, Naturschutz praktisch, Bioland Verlags GmbH, Mainz 2000.

Hecken planen, pflanzen, pflegen, Eine praktische Anleitung für Landwirte, Bioland Verlags GmbH, Mainz 2006.

E. Jedicke, Biotopverbund, Ulmer Verlag, Stuttgart 1994.

Reinhard Witt, Der Naturgarten, BLV Verlagsgesellschaft, München 2001.

Robert Markley, Hecken, BLV Verlagsgesellschaft, München 2004.

Oleg Polunin, Bäume und Sträucher Europas, Büchergilde Gutenberg, Frankfurt/M. 1978.

Uwe Westphal, Hecken-Lebensräume in Garten und Landschaft, pala-verlag, Darmstadt 2011.

Christine Henkel, Mein erstes Wimmelbuch - Hecke und Garten, Esslinger Verlag, 2012 (es gibt auch: "Feld und Wiese"; "Im Wald"). Schon für Kinder ab 1 Jahr/Kindergartenalter. Ein gutes Buch, um schon Kindern die ökologische Bedeutung artenreicher Hecken und naturnaher Gärten  näherzubringen.

Zum Widerspruch zwischen den Versprechungen, die Wälder ökologisch bewirtschaften zu wollen, und dem katastrophalen Zustand unserer Wälder -siehe: Peter Wohlleben, Wald ohne Hüter, Im Würgegriff von Jagdinteressen und Forstwirtschaft, Ein Förster erzählt, adatia Verlag, Sankt Augustin 2008. http://www.peter-wohlleben.de/

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Kurzbeschreibungen zu erwähnter Literatur:

Anita Idel, Die Kuh ist kein Klima-Killer!
Wie die Agrarindustrie die Erde verwüstet und was wir dagegen tun können
, "Agrarkultur im 21. Jahrhundert", 4. Auflage 2012 · 210 Seiten · 18,00 EUR (inklusive MwSt. und Versand), ISBN 978-3-89518-820-6 (November 2010), Metropolis-Verlag, Marburg. - http://www.metropolis-verlag.de/Die-Kuh-ist-kein-Klima-Killer/820/book.do

"Kühe rülpsen Methan" 25 mal klimaschädlicher als CO2. Dennoch sind Rinder unverzichtbar für die Welternährung - durch ihren Beitrag zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und zur Begrenzung des Klimawandels: In nachhaltiger Weidehaltung haben Wiederkäuer das Potenzial, Kohlenstoff als Humus im Boden zu speichern.

Die höchsten Emissionen gehen von der synthetischen Düngung der großen Monokulturen Mais und Sojabohnen aus. Sie verbraucht viel Energie und setzt Lachgas frei - 295 mal klimaschädlicher als CO2.

Kühe, Schafe und Büffel können in Symbiose mit ihren Pansenmikroorganismen Weidefutter zu Milch und Fleisch umwandeln. Deshalb sind sie prädestiniert zur Nutzung derjenigen Böden, die nicht beackert aber durch Beweidung vor Erosion geschützt werden können. Aber statt dessen werden sie mit Kraftfutter aus Mais, Soja und Getreide zu Nahrungskonkurrenten der Menschen gemacht. Milch und Fleisch aus Intensivproduktion sind nur scheinbar billig. Die Rechnung kommt später. Denn Monokulturen verdrängen die biologische Vielfalt und die CO2-Speicher: das Grünland und den (Regen-)Wald.

Je mehr Menschen auf der Erde leben, desto wichtiger wird die Bodenfruchtbarkeit zur Sicherung der Ernten bei gleichzeitiger Begrenzung klimawirksamer Emissionen. Aber das agroindustrielle System heizt den Klimawandel an und erhöht dadurch die Risiken für die Welternährung dramatisch. So haben die Böden Nordamerikas in den vergangenen 100 Jahren mehr als ein Viertel ihrer Fruchtbarkeit verloren.

Dieses Buch stellt die Systemfrage und bietet weit mehr als die Rehabilitierung der Kuh: Es belegt die Multifunktionalität des Boden-Pflanze-Tier-Komplexes in der nachhaltigen Landwirtschaft, nennt die wissenschaftlichen Fakten und lässt Menschen zu Wort kommen, die mit dem Wissen des 21. Jahrhunderts wieder auf die symbiotischen Potenziale der Weidewirtschaft mit Kuh und Co. setzen. -

Der Vegetarierbund dazu: Anita Idel weist mit ihrem Buch auf die Bedeutsamkeit nachhaltiger Beweidung hin. Sie erläutert den Tier-Pflanze-Boden-Komplex, um aufzuzeigen, dass die industrialisierte Massentierhaltung der Kuh ihre Rolle in der Natur genommen hat. Es folgt ein längerer Abschnitt über historische Aspekte wie die Ochsenwege, welcher keinen Bezug zur Ökologie hat. Danach schildert die Autorin mehrere Beispiele zu verschiedenen Freilandhaltungsformen. Leider übersieht sie, dass es auch Graser geben kann, auch wenn diese nicht als Fleisch- oder Milchlieferanten gehalten werden. Außerdem wird eine besonders schnelle Methode zur Tötung der Tiere, „mobile Schlachtbox“ genannt, als „konsequente Folge artgerechter Nutztierhaltung“ bezeichnet. Somit handelt es sich bei dem Werk insgesamt um ein Plädoyer für ökologische Landwirtschaft, weniger für Kühe.

In einem Kasten zu Jeremy Rifkins, Autor von „Das Imperium der Rinder“, bezeichnet sie den Verzicht auf (Rind-)Fleisch als Irrtum. Durch den Verzicht auf „rotes“ Fleisch profitiere die Geflügelindustrie – Vegetarier/innen und Veganer/innen werden hier nicht berücksichtigt. Mit der Biologiestudentin Leonie Schaefer kommt kurz eine Vegetarierin zu Wort. Sie lässt durchblicken, dass die ökologischen Vorteile von „Nutztieren" auch bestehen bleiben, wenn sie nicht vom Menschen gegessen werden.

Da Nachhaltigkeit auch mit großen Herden (700 Kühe, 5.000 Schafe und weitere Tiere) möglich sei, entsteht der Eindruck, es müsste nicht auf den hohen  Fleischkonsum verzichtet werden. Bei nachhaltiger Landwirtschaft dürfen die Herden allerdings nur in Bezug auf die aktuell beweidete Teilfläche groß sein. Stellt man die Anzahl der Rinder der Gesamtweidefläche gegenüber, ergibt sich je Tier ein deutlich größerer Flächenbedarf. Eine derartig hohe Fleischproduktion wie bisher kann definitiv nicht nachhaltig umgesetzt werden. Der Hinweis auf zu hohen Fleischkonsum fällt jedoch nur am Rand: „Veggie-Day und Sonntagsbraten aus nachhaltiger Produktion“, so die Autorin. Aus vegetarischer Sicht ist anzumerken, dass Nachhaltigkeit auch ohne Schlachtung möglich ist. - http://www.vebu.de/lifestyle/rezensionen/sachbuecher/911-die-kuh-ist-kein-klima-killer?tmpl=component

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Mit ökologischer Landwirtschaft gegen den weltweiten Hunger
2012 09 Okt - "Bio kann die Welt ernähren"

Lässt sich die Weltbevölkerung dauerhaft und gesund ernähren? Der ARTE-Dokumentarfilm „Zukunft pflanzen“ beantwortet diese Frage mit einem klaren Ja! Erfolgsregisseurin Marie-Monique Robin (“Monsanto, mit Gift und Genen“, „Unser täglich Gift“) zeigt anhand von Beispielen aus aller Welt, wie der Lebensmittelkrise entgegengewirkt werden kann: durch ökologische Landwirtschaft und eine Umstrukturierung der Absatzkette. ARTE zeigte den Film u.a. am Dienstag, den 16. 10. 2012.

Trotz allen wissenschaftlichen Fortschritts ist es bis heute nicht gelungen, den Hunger auf der Welt zu besiegen. Gegenwärtig leidet noch immer ein Sechstel der Weltbevölkerung unter Mangelernährung. Marie-Monique Robin zeigt in ihrem Dokumentarfilm, dass dies kein unabwendbares Schicksal ist. Für ihre Recherchen reist sie von Mexiko bis Japan, über Malawi, Kenia, Senegal, die USA und mehrere europäische Länder. Anhand einer Vielzahl positiver Beispiele aus aller Welt tritt sie den Beweis an, dass ökologische Landwirtschaft, die umweltgerecht und ressourcenschonend verfährt, nicht nur möglich, sondern auch ertragreicher ist als die industrielle Produktion von Nahrungsmitteln. Sie spricht mit Landwirten, die erfolgreich ökologisch anbauen, mit Agrarökonomen, Wirtschaftswissenschaftlern und Vertretern internationaler Hilfsorganisationen.

Zur Lösung der weltweiten Lebensmittelkrise ist ein grundlegender Paradigmenwechsel notwendig – weg von der industriellen Produktion, hin zum ökologischen Landbau. Die Absatzkette zwischen Erzeuger, Händler und Verbraucher muss anders verwaltet und organisiert werden und den Bauern – und nicht nur den Großproduzenten unter ihnen – muss wieder eine Schlüsselrolle in diesem Prozess zukommen. - http://www.arte.tv/de/6815836.html

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Aus: Wohnung + Gesundheit 115, Sommer 2005, S. 69-70

Joseph H. Reichholf: Die Landwirtschaft und der Umweltschutz [Volltextversion]
http://www.baubiologie.de/site/zeitschrift/artikel/115/69.php

15 Millionen Rinder und 24 Millionen Schweine sind zu viel für Deutschland. Die Flächenbelastung durch 110 Großvieh-Einheiten pro Quadratkilometer fällt doppelt so hoch aus wie für Frankreich (65 pro km2). Die übrigen Nutztiere, insbesondere die vielen Millionen Hühner, sind hierbei noch gar nicht berücksichtigt.

Unser Verhältnis zum Tier ist zutiefst gespalten. Auf der einen Seite werden menschliche Maßstäbe angelegt, auf der anderen Seite wird die unmenschliche Behandlung ausgeblendet. Denn die eine Seite ist zum Vergnügen da, die andere muss billiges Fleisch liefern. Dafür lassen wir züchten, quälen und töten.

Gewaltige Netzwerke von Abwasserleitungen wurden aufgebaut, um einen hohen Erfassungsgrad der menschlichen Abwässer zu erzielen. Kleine und kleinste Dörfer mussten angeschlossen werden; wie auch an die Fernwasserleitungen für Trink- und Brauchwasser. Die eigene Kleinkläranlage musste auch an abgelegenen Orten ebenso verschwinden wie der eigene Brunnen.

Je sauberer die Flüsse wurden, um so stärker gingen die Bestände vieler Arten zurück, allen Versuchen zum Trotz, Fischpopulationen zu setzen. Auch bei Muscheln und anderem Wassergetier kam es zu starken Abnahmen. Vögel, denen der Mensch gewiss nicht nachstellt, wie der Rohrsänger und der Kuckuck, mussten in die Roten Listen der gefährdeten Arten aufgenommen werden, weil ihre Bestände im Röhricht von Seen und Stauseen zu stark abgenommen hatten.

»Sauberer« wurde nicht gleichbedeutend mit »besser«. Und wer die Entwicklungen aufmerksam verfolgte, musste wohl feststellen, dass die größten und die offensichtlichsten Verbesserungen nicht unmittelbar mit dem häuslichen Abwasser der Menschen zusammenhingen, sondern mit der Industrie und den Waschmitteln. Die massivsten Verbesserungen ergaben sich aus der Minderung oder dem gänzlichen Stopp von indus-triellen Abwassereinleitungen in die Flüsse und Seen. Die augenfälligsten waren das Verschwinden der Schaumberge. Sie entstanden durch die Rückstände von Waschmitteln, den Detergenzien. Die chemische Industrie hatte rasch und wirkungsvoll reagiert. Die neuen Generationen von Wasch- und Spülmitteln wurden biologisch abbaubar in den Kläranlagen, sie schäumten nicht mehr nach in den Gewässern draußen und ihr Gehalt an Phosphaten wurde stark vermindert.

Das Abwasser aus der landwirtschaftlichen Viehhaltung wird nicht dem Prozess der Reinigung, wie bei den menschlichen Abwässern unterzogen, sondern als Mist und inzwischen in weitaus überwiegendem Maße als Gülle frei auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen ausgebracht. Es wird bei Mensch und Vieh mit zweierlei Maß gemessen. Einer Begründung bedarf es anscheinend gar nicht. Es ist einfach so, weil es immer so war und weil die Landwirtschaft privilegiert ist.

 

Die Folgen sehen so aus: Die 23,7 Millionen Schweine produzierten 1996 in Deutschland etwa 38 Milliarden Liter Gülle (1.600 Liter pro Schwein und Jahr), was der Abwasserproduktion der Hälfte der Gesamtbevölkerung Deutschlands entsprach. Sie belasteten dabei die Flächen, auf denen die Gülle ausgebracht wurde, mit 246.000 Tonnen Stickstoff, 145.000 Tonnen Phosphor und 240.000 Tonnen Kalium. Der Mensch gibt mit 3,5 bis 7 kg Stickstoff pro Jahr etwa die Hälfte ab. Alles, einschließlich der übrigen Stoffe, gelangt in die Kläranlagen. Von den Schweinen und auch von den Rindern hingegen nichts. Wer dagegenhält, das sei nichts anderes als die Rückgabe von Stoffen, welche die Tiere den Flächen, von denen sie leben, entnommen hatten, berücksichtigt zweierlei nicht. Erstens wird natürlich kein Abwasser in die Ursprungsländer der Futtermittel zurückgebracht, und zweitens gelangt die Gülle nicht kontinuierlich in kleinen Mengen auf die Fluren, sondern ein paarmal pro Jahr in so großen Mengen, dass sich ein bizarr erscheinender Vergleich aufdrängt:

Die Ausbringung der Gülle, so sie eine Rückführung von Nährstoffen sein soll, ist wie Regenfluten drei- oder viermal pro Jahr zu bewerten, bei denen das gesamte Niederschlagswasser eines Jahres fällt und dazwischen nichts. Oder wenn in drei bis vier Tagen alles Sonnenlicht eines Jahres auf die Pflanzen niederbrennen würde und danach Dunkelheit herrschte. In dieser extremen Zusammendrängung auf ganz kurze Abschnitte des Jahres unterscheidet sich die Stallviehhaltung mit Gülleentsorgung grundlegend von der Freilandhaltung des Viehs. Dieses gibt Tag für Tag den beweideten Flächen Ausscheidungen zurück und belastet sie damit nicht. Die Nährstoffe können sich so im Kreislauf bewegen.

Mit der Massenviehhaltung in Ställen und der Güllewirtschaft wird das Kreislaufsystem, das von der Sonne »getrieben« wurde, ökologisch zu einem »Durchlaufsystem« mit hohen Verlusten, das von Fremdenergie (aus Treibstoff) getrieben wird. Den Kosten für diesen Energie-Einsatz stehen die Belastungen gegenüber. Ein Großteil der Stoffe, die eigentlich direkt die Pflanzenproduktion ermöglichen sollen, wie die oben bei der Schweinegülle angeführten Stickstoff-, Phosphor- und Kaliumverbindungen, gerät bei dieser plötzlichen Ausbringung auf die Fluren ins Grundwasser und in die Bäche und kleinen Flüsse. Die Belastung des Grundwassers wurde großflächig in weiten Teilen Deutschlands so groß, dass es als Trinkwasser nicht mehr verwertet werden kann. So gibt es kaum ein Gebiet mit Massenhaltungs-Landwirtschaft, in dem das Grundwasser weniger als die 50 Milligramm Nitrat pro Liter enthält - der Grenzwert für Trinkwasser in Deutschland, obwohl von der Weltgesundheitsorganisation seit Jahrzehnten ein Höchstwert von 20 Milligramm pro Liter festgelegt ist.

Großstädte müssen daher zumeist aus fernen Gebieten ihr Trinkwasser herbeischaffen, weil der Nahbereich mit landwirtschaftlich genutzten Flächen dafür nicht mehr in Frage kommt. Die Ausweisung von Trinkwasserschutzgebieten stößt auf heftigste Widerstände bei den Landwirten - und beweist damit unmissverständlich, dass ihnen auch bewusst ist, wie sehr sie Böden und Grundwasser überdüngen und belasten.

Vor 50 Jahren war das noch nicht so, und die Dörfer wie die Einzelhäuser hatten sich selbst ihre Brunnen schlagen können. Die Versorgung der Städte war noch aus dem unmittelbaren Umland möglich - oder aus den Flüssen und Seen. Dass das von einigen großen Seen abgesehen nicht mehr oder nur in höchst kostspieliger Art und Weise geht, liegt nicht an den gesteigerten Hygieneanforderungen allein. In früheren Zeiten förderten die meisten Brunnen trinkbares, schadstoffarmes Wasser. Man konnte aus den Wiesenbächen trinken, die kristallklares Wasser führten, und eigentlich auch aus jeder Quelle in Wald und Flur. Wer in der Nähe einer Quelle lagerte, brauchte zur Rast kein Mineralwasser in schwerer Flasche mitgebracht haben. Der Trunk aus der hohlen Hand erfrischte mit der optimalen Temperatur des Wassers von etwas unter 10 Grad Celsius. Inzwischen führen die klaren Bäche und Quellen so viel Nitrate und Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, dass der Durst schon sehr groß sein muss, um das Risiko einzugehen, davon zu trinken.

Das solcherart von der Landwirtschaft belastete Wasser steht nun der Abwasserreinigung auf der Seite des Menschen gegenüber. Frei ausgebracht auf den Flächen, wie es vor allem im Sommer getan wird, wenn die Ernte Flächen frei gemacht hat für die Gülle, dringt es mitsamt dem Gehalt an Bakterien und anderen Keimen in die Bäche und kleinen Flüsse ein, belastet mit seinem Gehalt an Stickstoff-, Phosphor- und Kaliumverbindungen das Grund- und Oberflächenwasser und macht so einen Großteil der von uns bezahlten Reinigung der menschlichen Abwässer wirkungs- und bedeutungslos. Um es nochmals zu betonen: Es handelt sich in Deutschland etwa um die dreifache Menge an Abwasser aus der Viehhaltung, verglichen mit der des Menschen.

Die Bevölkerung bezahlt, um es verkürzt, in der Wirkungskette aber zutreffend auszudrücken, für die Gülle, die mehrfach im Jahr zum Himmel stinkt!

Ein Großteil der fremden Futtermittel landet als Abwasser aus der Gülle in unserem Trinkwasser. Nicht das Rind auf der Weide ist also das Problem, sondern das im Stall. Ähnliches gilt für das Huhn auf dem Hühnerhof im Vergleich zur Legebatterie. Müsste die Stallhaltung so behandelt werden wie die Wohnsiedlungen der Menschen und wäre das dort produzierte Abwasser über Kläranlagen mit denselben Qualitätsansprüchen zu entsorgen, wie sie für die menschlichen Abwässer gelten, würde es um die Wirtschaftlichkeit der Massenviehhaltung in Ställen ganz anders bestellt sein. Was frei auf der Weide beim Vieh im Gleichgewicht war, ist es nicht mehr, wenn dieses nicht nur kurzzeitig in Ställen gehalten wird.

Mit welch unterschiedlichem Maß hier auch die Medien geneigt sind zu werten, geht daraus hervor, dass über ein paar Kubikmeter Ammoniak, die in einem Chemiebetrieb entweichen, in den Nachrichtensendungen berichtet wird. Wenn ein Vielfaches davon von der Landwirtschaft freigesetzt wird, findet das überhaupt keine Erwähnung. Wenn der Gestank die Lebens- und Erholungsqualität ganzer Landstriche stark beeinträchtigt - wer möchte schon in der Nähe eines Schweinemastbetriebes mit 500 oder 1.000 Sauen leben? -, findet das höchstens in Einschränkungen bezüglich des Bauens im Außenbereich von Dörfern Berücksichtigung. Wer, so die Argumentation, wenn gerade allzu Anrüchiges auf die Felder ausgebracht worden ist, dort Urlaub macht und spazierengehen will, ist selber schuld - auch wenn diese Menschen mit ihren Steuerzahlungen die Geldgeber gewesen sind.

Weitere Umweltbelastungen kommen hinzu. Der Lärm von Traktoren und Großmaschinen muss bis tief in die Nächte hinein, wenn mit Scheinwerferlicht gepflügt oder geerntet wird, genauso hingenommen werden wie zur Zeit der Sonntagsruhe. Zu manchen Zeiten des Jahres ist es in den Städten, auch in Großstädten, stiller als auf dem Land. Die »gute Landluft« ist ebenso eine Mär aus früheren Zeiten wie die »Stille auf dem Land«, die nur vom Geläut der Kirchen- oder der Kuhglocken (angenehm) durchtönt wird.

Freistellungen und Privilegien stehen dahinter. Privilegien, die »das Land« in kaum glaublichem Umfang nach wie vor hat. Sie waren anfänglich sicher sinnvoll und notwendig, spalteten aber nach und nach die Gesellschaft auf vergleichbare Weise wie in feudalen Zeiten. Nur dass die Vorzeichen in manchen Bereichen wechselten. Die Sonderbehandlung der tierischen Abwässer und Abgase, die Ausnahme von den Lärmschutz- und Arbeitszeitbestimmungen sowie das Bauen im Außenbereich sind solche Privilegien. Aber es gibt noch mehr.

In Deutschland sank die Zahl der in der Landwirtschaft Erwerbstätigen auf ein Zehntel im Vergleich zur Gründung der Bundesrepublik - ein Absturz wie bei kaum einer anderen Form von Erwerbstätigkeit. Gegenwärtig gibt es fünfmal mehr Arbeitslose als in der Landwirtschaft Erwerbstätige. Die zahlen- wie flächenmäßig riesigen Landwirtschaften der neuen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union verschärfen nun die Problematik.

Kann in dieser Situation überhaupt die Romantik des Naturschutzes Sinn und Berechtigung haben, die auf Bildern der Vergangenheit, insbesondere des ausgehenden 19. Jahrhunderts, aufbaut und ihre Zahlen auf die Basis der Befunde nach dem Zweiten Weltkrieg stellt? Die wenig produktive bäuerliche Landwirtschaft stellt das Ideal dar. Sie hat das Land »schön« gemacht, vielfältig und artenreich. Die neue Form dagegen hässlich, arm und ausgeräumt.

C, E-Mail: institut@baubiologie.de, Internet: http://www.baubiologie.de

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Jonathan Safran Foer: Tiere essen.
1. Auflage. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2010 (Originaltitel: Eating animals), ISBN 978-3462040449

Tiere essen (englisch Eating Animals) ist ein Sachbuch des amerikanischen Schriftstellers Jonathan Safran Foer, das sich mit den Problemen der Massentierhaltung auseinandersetzt. Das Buch erschien 2009 in den USA und im August 2010 in Deutschland. Die deutsche Übersetzung stammt von Isabel Bogdan, Ingo Herzke und Brigitte Jakobeit.
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Jonathan Safran Foer begann mit seinen Recherchen, als er Vater wurde. Er wollte eine „fundierte Entscheidung darüber treffen, was ich meinem Sohn zu essen gebe.“ Deshalb hat er vieles zusammengetragen, was die derzeitige Praxis in der Landwirtschaft möglichst umfassend beschreibt. Eingehende Nachweise zu den wissenschaftlichen Quellen, auf die sich Foer stützt, finden sich jeweils in den Anmerkungen im Anhang. Alle Angaben beziehen sich vorwiegend auf die Tierhaltung in den USA. Der deutschen Ausgabe ist deshalb neben den Fußnoten des Autors ein zweiter Anhang beigegeben worden, in dem die Sachlage in Deutschland im Vergleich zu derjenigen in den Vereinigten Staaten dargestellt wird. Die Angaben wurden vom Vegetarierbund Deutschland beigesteuert.

Geschildert wird die herrschende Praxis sowohl bei der Ausbeutung der freien Natur, etwa in der Fischerei, als auch in den US-Massentierhaltungsbetrieben und Schlachthäusern. Da seine schriftlichen Anfragen an einen amerikanischen Hersteller und Vermarkter von Fleisch, in denen er sich um eine Betriebsführung bemüht hatte, nicht beantwortet worden waren, verschaffte sich Foer zusammen mit einer Tierschutz-Aktivistin Zugang zu einem Geflügelzuchtbetrieb, um die Verhältnisse in der Putenmast zu beschreiben. Er berichtet über das Leben der Tiere, deren Schlachtung und über die Gefahren von Krankheiten infolge der Massentierhaltung. Dabei stellt er häufig bildliche Vergleiche an. Außerdem betont er mehrmals, wie viele Medikamente in dem Futter der Tiere vorhanden sind und welche Folgen sich im Einzelnen daraus ergeben können, sowohl für die Tiere als auch für die Konsumenten, die die Tiere oder ihre Erzeugnisse verzehren.

Foer weist auf die Probleme und auf die Gefahren der Massentierhaltung hin, fordert jedoch nicht ausdrücklich dazu auf, Vegetarier zu werden.
Rezeption:
Das Buch wurde nicht nur in Deutschland diskutiert und in den Medien überwiegend positiv aufgenommen. Foer sagt, er sei selbst darüber erstaunt gewesen, dass sein Buch „kein bisschen umstritten war“. Dabei stand die Wahrnehmung im Vordergrund, das Buch habe es geschafft, „eine allgemeine Diskussion über Vegetarismus auszulösen, über eine Idee also, die lange Zeit nur einige gern belächelte Ökologen und alte Tanten praktizierten“. Es sei „eine brillante Mischung aus Recherchejournalismus und Autobiografie“. Im Zusammenhang mit dem Dioxin-Skandal Ende 2010/Anfang 2011 um giftige Rückstände in Eiern, Geflügelfleisch und Schweinefleisch, die aus Futtermitteln herrührten, fand das Buch zusammen mit der Neuerscheinung  "Anständig essen. Ein Selbstversuch" von Karen Duve zunehmend Beachtung. http://de.wikipedia.org/wiki/Tiere_essen

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Maria Rollinger,  Milch besser nicht
Wer wissen möchte, was es mit Milchhexen und der viel zitierten Milchmädchenrechnung auf sich hat, seit wann wir massenhaft Milchprodukte konsumieren, wie lange eine ‘Turbohochleistungskuh’ durchschnittlich lebt, was es mit Klonkühen auf sich hat, und was Wissenschaftler im Auftrag der Europäischen Union zur heutigen Haltung von Kühen sagen, warum Milch nicht mehr sauer wird, sondern verdirbt, was unseren Joghurt vom traditionellen Joghurt unterscheidet, wer auf dieser Erde laktoseintolerant ist und warum, welche Krankheiten mit Milchprodukten in Zusammenhang gebracht werden und schließlich warum wir trotz hohen Milchkonsums unter Kalziummangel leiden, der findet hier Antworten oder die Quellen für weiteres Studium.
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"Ein Lebensmittelkrimi, spannend vom Anfang bis zum Ende", so die Reaktionen auf das Buch.
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350 Seiten - 21 x 14,8 cm - Broschur, Jou-Verlag, Trier, 1. Auflage 2004, 2. aktualisierte Auflage 2007, 4. Auflage 2011,  ISBN 978-3-940236-00-5
(Preis: 20,00 Euro[D]). http://www.milchbessernicht.de/

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http://www.3sat.de/scobel/

Dürfen wir Tiere töten?
Über das ambivalente Mensch-Tier-Verhältnis

Gert Scobel - 12.9.2013
zum Film bzw. zur Diskussion: http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=38379
Interview mit: Dr. Rainer Hagencord vom Institut für Zoologische Theologie in Münster über das Verhältnis zwischen Mensch und Tier in Religion und Erziehung:    http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=38281

Material dazu:
Den geliebten Haustieren der Deutschen geht es weitgehend gut. Jedenfalls im Vergleich zum Mastvieh, das in eben diesen Haushalten von Mensch und Haustier gegessen wird. Für die meisten endet ihre Tierliebe allerdings auch beim eigenen Haustier. 28 Millionen Schweine und 1,9 Millionen Rinder, die in Deutschland gegessen werden, sprechen eine deutliche Sprache. Darf der Mensch frei über Tiere und ihre Körper verfügen? Diese und andere Fragen diskutiert Gert Scobel mit seinen Gästen und versucht, die Umrisse eines neuen Verhältnisses zum Tier zu definieren.

Unsere Gäste:

    Madelaine Martin, Tierärztin, Tierschutzbeauftragte Hessen
    Manfred Niekisch, Biologe, Direktor Zoo Frankfurt
    Friederike Schmitz, Philosophin, Universität Tübingen

Geliebte Haustiere, gequälte Nutztiere
Die Behandlung und der Umgang könnte nicht gegensätzlicher sein
In Deutschland leben mehr als 30 Millionen Haustiere. Darunter 5,3 Millionen Hunde. Sie sind liebenswerte, treue Partner und werden verhätschelt, verwöhnt und vermenschlicht. Ein Spiegel des eigenen Egos. Je mehr Ähnlichkeit der Mensch empfindet, desto größer seine Empathie für das Tier. Wenn es aber darum geht, die Bedürfnisse der Tiere gegenüber den Bedürfnissen der industriellen Landwirtschaft abzuwägen gilt: Gewinnmaximierung statt Leidvermeidung.
130 Millionen Stück Geflügel werden in Deutschland pro Jahr unter qualvollen Bedingungen gemästet. Hinzukommen 28 Millionen Schweine und 12 Millionen Rinder. Die sogenannte Intensivtierhaltung, hohe Stückzahlen auf engstem Raum, verursacht Stress und Aggressionen. Mit moderner Gentechnik und computeroptimierter Futterzusammensetzung werden Nutztiere auf Hochleistung getrimmt. Es sind reine Milch-und Fleischmaschinen. Unseren häuslichen Lieblingen darf es dagegen an nichts fehlen. Ob Tiermode, Futter oder Zubehör aller Art, der Heimtiermarkt boomt. 2012 stieg der Gesamtumsatz um 2,2 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro.

Intensivtierhaltung verursacht erhöhte Mengen an Gülle, die die Umwelt belasten. Antibiotika zur Vermeidung von Seuchen gelangen ins Fleisch, in die Böden und ins Grundwasser. Die Folge: Antibiotika-Resistenzen nehmen zu. Riesige Tierbestände müssen vernichtet werden, wenn neue Erreger entstehen. Die Gefahr von Epidemien wächst mit katastrophalen Folgen für Tier und Mensch. Vergleichsweise harmlos erscheint da das Kupieren, das Verstümmeln von Zähnen, Hörnern oder Schnäbeln, um Verletzungen durch Artgenossen bei zu dicht gedrängter Haltung zu vermeiden. Wie gut haben es dagegen unsere Katzen. 8,2 Millionen von ihnen leben in Deutschland. Die Katze ist damit das beliebteste Haustier. Auch bei vielen Promis.

Auch der Mensch wird zum Opfer
Jährlich touren vier Milliarden Stück Geflügel und 360 Millionen Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen durch die Lande. Sie brüllen, weil sie dicht gedrängt bei Hitze und halb verdurstet tagelang durch ganz Europa gekarrt werden. Nur zur Schlachtung! Und wenn das Tier im Schlachthaus von seinen Qualen erlöst wird, dann trifft die Ausbeutung auch den Menschen. Schwarzarbeit und Lohndumping sind an der Tagesordnung. Die meist osteuropäischen Leiharbeiter erhalten nach Schätzungen zwischen drei und fünf Euro in der Stunde und sind selten sozialversichert. Anschließend zirkuliert das Fleisch europaweit bis seine Herkunft nicht mehr nachvollziehbar ist. Aus Pferdefleisch wird Rindfleisch, aus Gammelfleisch wird Frischfleisch. Nur für die Gesundheit unserer Heimtiere ist bestens gesorgt.

Doch auch bei der Anschaffung des Heimtieres kann man ungewollt Tierquälerei fördern. Tierschützer empfehlen daher Gang zum Tierheim und nicht zum Züchter oder Zooladen, da auch die Zucht oft mit Tierquälerei verbunden ist. Hinzu kommt: Allein in Deutschland geraten jährlich 300.000 Tiere in Tierheime, die ausgesetzt oder misshandelt wurden. Und obwohl die deutschen Tierheime bereits überfüllt sind, gibt es viele Vereine, die zusätzlich Tiere aus dem europäischen Ausland importieren. Deshalb hängt auch das Wohl der Heimtiere ganz wesentlich vom Wissen und Wohlstand seiner Besitzer ab.
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Was unser Verhältnis zum Tier prägt
Der Einfluss von Religion, Kultur und Erziehung
Das Verhältnis zwischen Mensch und Tier ist sehr variabel und hängt mit Erziehung und kultureller Prägung zusammen. Darüber hinaus spielt auch auch die Religion eine wichtige Rolle. Aber auch Märchen, Geschichten, Film und Fernsehen prägen unser Verhältnis zu den Tieren: man denke nur an den gestiefelten Kater oder Lassie.
Im Gegensatz zu den Haustieren pflegt man im westlichen Kulturkreis zu anderen, etwa Nutztieren, ein weniger enges Verhältnis, obwohl der etablierte, gängige Lebensstil stark von ihren Erzeugnissen abhängt.

Unter der Schirmherrschaft der Primatenforscherin Jane Goodall arbeitet der Verhaltensbiologe und Priester Rainer Hagencord am Institut für Theologische Zoologie in Münster. Er untersucht das Verhältnis zu Tieren in religiösen Texten. "Das Thema Mitgefühl ist in der Agenda, nicht nur des Christentums, sondern in allen Religionen, ganz weit oben", sagt Rainer Hagencord. "Im Feld von Denken, Praxis und Ethik hat sich eine Anthropozentrik breitgemacht, die letztlich nicht mit biblische Texten zu vereinbaren ist. Auch nicht mit den Ur-Texten. Denn Empathie und Mitgefühl kann nicht bei bestimmten Geschöpfen enden."

Keine Religion legitimiert Gewalt an Tieren
In den Ur-Texten von Christentum, Judentum und im Islam finden sich einige Parallelen im Verhältnis zwischen Mensch und Tier: Das Töten und Essen von Tieren wird geduldet, im Fall des Judentum und Islam gibt es zudem Tieropfer. Die Tötung und Nutzung von Tieren unterliegt allerdings strengen Vorschriften, die der Gesundheit der Menschen dienen und zugleich die Gewalt an Tieren möglichst eindämmen sollen. In allen drei Religionen wird Tieren ein Eigenwert zugesprochen, in einigen sogar auch eine eigene Gottesbeziehung.

Einen göttlichen Auftrag, über die Erde und alle Lebewesen zu herrschen, bekommt der Mensch auch in Judentum und Islam. In Anbetracht des Selbstwertes der Tiere kann dieser allerdings schwerlich als gottgegebene Legitimation verstanden werden, Tiere als reinen Rohstoff für den Menschen zu begreifen: "Es ist kein Persil-Schein, und schon gar nicht eine biologische Beschreibung des Menschen, dass er etwa so aussieht wie Gott selbst. Die biblischen Autoren wussten sehr wohl, dass wir, im Gegensatz zu den Tieren, Verantwortung haben. Eine Gabe und Aufgabe zugleich", so Hagencord.

Tierethik wird selektiv und beliebig angewandt
Wie im Christentum gibt es auch im Buddhismus das Gebot der "Enthaltung vom Töten lebender Wesen", das Tiere einschließt. Streng daran gehalten sind vor allem Mönche und Nonnen. Damit werden Mensch und Tier nicht gleichgesetzt. Es geht um die Auffassung, dass Gewaltlosigkeit zur eigenen Befreiung vom Leiden führt. Im Hinduismus ist die Kuh unter anderem so bedeutsam, weil sie mit Milch, Joghurt und Ghee nicht nur Nahrung, sondern auch Opferspeisen für Riten liefert. Tiere können auch die Reinkarnation Verstorbener sein, wie die heiligen Ratten des Karni-Mata-Tempels. Entsprechend werden sie geachtet und mit Wasser und Speisen versorgt.

Auch die gesellschaftlichen Verhältnisse haben Auswirkungen auf die Mensch-Tier Beziehung. Je naturferner eine Gesellschaft, desto größer auch die Erwartungshaltung, die Tierwelt möge sich dem Menschen anpassen. Die in der jeweiligen Kultur oder Religion angelegte Tierethik findet meist nur selektiv und beliebig Anwendung. Rainer Hagencord dazu: "Wie geht eine Theologie damit um, dass biologisch gesehen kein Graben existiert zwischen Mensch und Tier? Was heißt das für ein theologisches Denken, dass wir auch Tiere sind. Interessante Fragen, denn sie führen zu Fragen nach Spiritualität und politischen Engagements. Man kann es sich sehr leicht machen, indem man Tiere als seelenlose Automaten beschreibt und dann einfach über die Systeme der Massentierhaltung hinwegsehen, im Sinne von 'es sind ja nur Tiere'. Nur letztlich ist es eine Ethik und Anthropologie, die keine Zukunft hat."
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Tierethik im Wandel
Noch stellt der Mensch sich klar über das Tier
Seit Tausenden von Jahren lebt der Mensch auf engstem Raum mit Tieren, die er einst gezähmt hat. Seine Haustiere lieferten Nahrung und Kleidung, gaben ihm Schutz, verbesserten seine Jagdchancen und hielten sein Haus frei von Nagetieren. Jedes dieser Haustiere hatte einen elementaren Nutzen. Der Mensch achtete Sie, weil sie sein Überleben sicherten. Noch heute hängen wir von Tieren ab. Wir leben aber weit entfernt von den Nutztieren, die wir töten lassen, etwa um sie zu essen.
Die, die wir nah an uns heran lassen, würden wir niemals töten, um sie zu verspeisen. Wir leben auf engstem Raum mit Haustieren, die wir besitzen, gleichzeitig aber zu Partnern oder Freunden machen. Hunde oder Katzen etwa, übernehmen soziale Funktionen in unserem Alltag. Wir reden und spielen mit ihnen, wir pflegen und füttern sie. Wir sorgen uns um ihr Wohlergehen. Wir tun so, als seien sie gleichberechtigt und unsere Artgenossen. Und doch sind sie es nicht, denn wir gestehen ihnen nicht die gleichen Rechte zu. Tiere müssen tun, was wir Menschen wollen. Wir zwingen sie, ein Leben zu führen, das nicht ihrer, sondern unserer Art entspricht.

Philosophische Fragen und Sichtweisen
Die Philosophen versuchten stets Gemeinsamkeiten oder Unterschiede zwischen Mensch und Tier auszutarieren. Sie diskutierten früh, über die vermeintliche Vorrangstellung des Menschen, die einen bestanden darauf, die anderen stritten sie ab. Wie der französische Philosoph Michel de Montaigne. Er stellte den Differenzierungsansatz in Frage: "Erkennt der Mensch denn durch die Frage seines Verstandes die innerlichen und verborgenen Regungen der Tiere? Aus was für einem Vergleich zwischen uns und ihnen folgert er dann die Dummheit, die er den Tieren zuspricht?"

Für René Descartes und Immanuel Kant hingegen ist es die Vernunft, die den Menschen moralisch über das Tier erhebt. Gleichzeitig ist der Mensch moralisch verpflichtet, keine Kreatur zu quälen. Kant glaubte aber auch, dass der Mensch durch das Tier lernen könne, mitfühlender zu werden - allerdings: mitfühlender mit anderen Menschen. Arthur Schopenhauer kritisierte die Kant'sche Position: "Also bloß zum Üben soll man mit Tieren Mitleid haben…" Für Schopenhauer waren Tiere in die von ihm propagierten Mitleidsethik einbezogen: "Die von mir aufgestellte moralische Triebfeder, bewährt sich als echte ferner dadurch, dass sie auch die Tiere in ihren Schutz nimmt."

Was gibt uns das Recht, Tiere so zu behandeln?
Und damit stellte der Philosoph die wesentliche Frage: Dürfen wir Tiere töten, um ihre Körper für unsere Bedürfnisse zu nutzen? Bis heute streiten namhafte Philosophen über Fragen wie: Welche Rechte haben Tiere? Haben sie, wie der Mensch eine eigene, unantastbare Würde? Welchen moralischen Status haben sie? Und - welche Rechte und Pflichten ergeben sich daraus für den Menschen?

Die Sonderstellung des Menschen wird immer vehementer in Frage gestellt, denn Genetik und Neurowissenschaften haben längst gezeigt, dass die Tiere dem Menschen ähnlicher sind, als der immer glaubte. Darf der Mensch dann aber das Tier weiterhin zum Objekt machen? Wenn nicht, so müsste er seine Dominanz über das Tier aufgeben. Er müsste sich selbst neu verorten in einer Gleichberechtigung, für die er noch nicht bereit zu sein scheint.
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Madelaine Martin, Tierschutzbeauftragte Hessen
Seit 1992 ist die Tierärztin Madelaine Martin als Landestierschutzbeauftragte für das Hessische Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz tätig. Sie kümmert sich zum einen um der Einhaltung tier- und artenschutzrechtlichen Bestimmungen und zum anderen um eine grundsätzliche Verbesserungen des Tierschutzes.
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Homepage der Landestierschutzbeauftragten Hessens Madelaine Martin

Manfred Niekisch, Biologe und Zoodirektor
Manfred Niekisch studierte Biologie an der Universität Köln und promovierte an der Universität Bonn. Der Biologe ist ausgewiesener Experte für Naturschutz und seit 2008 Direktor des Zoos Frankfurt, den er zu einem modernen Natur- und Artenschutzzentrum machen möchte. Seit 2010 hat er außerdem eine Professur an der Goethe-Universität in Frankfurt für Internationalen Naturschutz inne und ist im Sachverständigenrat für Umweltfragen.
Links
Homepage Zoo FrankfurtManfred Niekisch im Sachverständigenrat für Umweltfragen

Friederike Schmitz, Philosophin
Friederike Schmitz ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Philosophischen Institut der Universität Tübingen. Sie ist engagierte Tierschützerin und vertritt die Auffassung, dass Tiere weder zu Nutzungszwecken gequält noch getötet werden dürfen. Sie lebt diese Haltung glaubhaft als Veganerin und ist in mehreren Tierschutz-Organisationen aktiv, u.a. vertritt sie Tierrechte als Vertretungsmitglied in der Berliner Tierversuchskommission und ist Mitinitiatorin des "Appells für den Ausstieg aus der Massentierhaltung", der von über 500 Professoren und insgesamt von fast 34.000 Menschen unterschieben wurde. 2014 erscheint ihr Sammelband mit Grundlagentexten zur Tierethik bei Suhrkamp.
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Siehe auch bei arte TV: "Dürfen wir Tiere essen?":  http://www.arte.tv/de/duerfen-wir-tiere-essen/6449206.html  oder

Mehr Wissen über: Schlachthöfe

Allein für die Nahrungsbeschaffung werden in Deutschland jährlich über 3,8 Millionen Rinder, 420.000 Kälber, 43 Millionen Schweine und 332 Millionen Masthähnchen getötet. Inwieweit werden dabei die Bedingungen des Tierschutzes beachtet? Über diese und andere Fragen diskutiert Gert Scobel mit Friedhelm Jaeger (Verbraucherschutz), Robert Römer... http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=10640
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SPIEGEL ONLINE
17. September 2013, 11:26 Uhr
Tödliche Bakterien
"Wir stehen vor einer Katastrophe"


23.000 Tote jährlich, zwei Millionen Infizierte: Die US-Seuchenschutzbehörde schlägt Alarm. Gegen Antibiotika resistente Bakterien werden zur Gefahr für die Weltbevölkerung.

Atlanta - Zum ersten Mal hat die US-Regierung schätzen lassen, wie viele Menschen in den Vereinigten Staaten jedes Jahr an Infektionen mit Bakterien sterben, die gegen mehrere Antibiotika resistent sind. Die US-Seuchenschutzbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) spricht von 23.000 Todesfällen pro Jahr, das wären in etwa so viele wie bei der Grippe.

Die CDC will mit dem Bericht "Antibiotic Resistance Threats" (Gefährdung durch Antibiotikaresistenzen) auf die wachsende Gefahr durch Bakterien aufmerksam machen, gegen die in vielen Fällen nur noch einige wenige sogenannte Reserveantibiotika helfen. "Wir stehen vor einer Katastrophe", bewertet die Infektiologin Helen Boucher von der Tufts University im US-Bundesstaat Massachusetts die Situation. Es gehe deshalb darum, jetzt Alarm zu schlagen.

Antibiotika wie Penicillin sind erst seit den vierziger Jahren verfügbar, heute gibt es Dutzende Wirkstoffe, die auf unterschiedliche Weisen Bakterien bekämpfen. Ohne Antibiotika wären viele Fortschritte der Medizin unmöglich gewesen, weil die Patienten an heute als banal wahrgenommenen Infektionen gestorben wären.

"Diese Medikamente sind eine wertvolle, begrenzte Ressource"

Doch der unbedachte und breit gestreute Einsatz von Antibiotika, nicht nur beim Menschen, hat auch dazu geführt, dass viele Bakterienstämme gegen eine wachsende Zahl der Mittel resistent sind. Die CDC schätzt, dass in den USA bis zur Hälfte der verschriebenen Antibiotika unnötig oder falsch eingesetzt werden. In der Tierzucht etwa werden die Mittel auch vorbeugend genutzt oder mit dem Ziel, das Wachstum der Tiere zu fördern. Infektionsexperten warnen seit Jahrzehnten, dass die Wirkstoffe auch bei Tieren nur zur Behandlung von Krankheiten verwendet werden sollten, um resistenten Erregern die Verbreitung zu erschweren.

"Jedes Mal, wenn Antibiotika eingesetzt werden, verändern sich Bakterien und entwickeln Resistenzen. Das kann in erschreckendem Tempo geschehen", sagt Steve Solomon, bei der CDC zuständig für Antibiotikaresistenzen. "Diese Medikamente sind eine wertvolle, begrenzte Ressource. Je mehr Antibiotika wir heute nutzen, desto weniger wahrscheinlich wird es, dass wir morgen noch wirkende Antibiotika haben."

In ihrem Bericht betrachtet die CDC die 17 aus ihrer Sicht bedenklichsten antibiotikaresistenten Bakterien. Nach den Zahlen der US-Wissenschaftler infizieren sich in den Vereinigten Staaten jährlich mehr als zwei Millionen Menschen mit diesen Erregern, mindestens 23.000 sterben daran. Alleine 11.000 Todesfälle verursacht der auch in Deutschland weit verbreitete Erreger MRSA, das Kürzel steht für methicillin-resistenter Staphylococcus aureus.

Im Saarland mit wenig Aufwand viel Geld einsparen?

In Deutschland führt MRSA zu weit mehr als 100.000 Infektionen, das in den USA thematisierte Problem ist auch hierzulande bekannt. Das Robert Koch-Institut (RKI) will trotz eines rückläufigen Trends bei MRSA in einigen Überwachungssystemem keine Entwarnung geben (PDF hier).

Zuletzt hatten Wissenschaftler um den Hygieniker Matthias Herrmann von der Universität des Saarlandes für Deutschlands kleinstes Flächenbundesland die Rate der mit MRSA besiedelten Patienten ermittelt, die innerhalb von vier Wochen in eines der 24 Akutkrankenhäuser des Saarlands aufgenommen wurden. Von mehr als 20.000 gescreenten Patienten trugen gut 400 den Keim an sich, berichteten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Plos One".

Die deutschen Forscher schätzen, dass im Saarland durch Investitionen von 500.000 Euro jährlich in die Erkennung betroffener Patienten ein "substantieller Anteil" der über 10 Millionen Euro Zusatzkosten durch MRSA-Infektionen eingespart werden könnte.

Viele Menschen tragen die Staphylokokken auf der Haut, ohne dass die Bakterien eine Krankheit verursachen. Die Bakterien sind jedoch auch in der Lage, schwere Haut- oder Gewebeinfektionen auszulösen. Gelangen sie in die Blutbahn, droht eine lebensbedrohliche Sepsis. Solche schweren MRSA-Infektionen gab es 2011 in den USA rund 80.000-mal, so der CDC-Bericht. Die meisten der Patienten waren zuvor im Krankenhaus behandelt worden.

Die CDC betrachtet die gegen Antibiotika unempfindlichen Keime unter verschiedenen Gesichtspunkten: Neben der offensichtlichen Gefahr für die Gesundheit geht es der Behörde auch um wirtschaftliche Folgen. Die CDC zitiert Studien, nach denen die Antibiotikaresistenzen in den USA Mehrkosten in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar für die Behandlung verursachen, zusätzlich entstünden durch Produktivitätsverluste gesellschaftliche Kosten in Höhe von bis zu 35 Milliarden US-Dollar jährlich.

Dringlich ist allerdings vor allem die Frage, wie die weitere Ausbreitung der Erreger verhindert werden kann. In den USA weisen Ergebnisse zumindest darauf hin, dass die MRSA-Infektionsraten nicht mehr weiter ansteigen könnten. Auch ein von der Untersuchung unabhängiger CDC-Bericht, der am Montag im Fachmagazin "Jama Internal Medicine" erschienen ist, hat eine Abnahme schwerwiegender MRSA-Infektionen um 30 Prozent von 2005 bis 2011 ergeben.

Besondere Sorgen bereiten den Wissenschaftlern jedoch auch die sogenannten Carbapenem-resistenten Enterobakterien und zum Beispiel Gonorrhoe-Erreger oder Clostridium difficile. Dieses Bakterium ist für schwere Durchfälle verantwortlich, die eine Nebenwirkung ausgerechnet der Behandlung mit Antibiotika sein können. Clostridien-Infektionen führen jährlich zu rund 250.000 Krankenhausaufnahmen in den USA, mindestens 14.000 Menschen sterben nach Angaben der CDC an den Folgen.

Ziel der CDC ist es, die Verbreitung der Infektionen zu verhindern, die Ausbreitung der Erreger so genau wie möglich zu verfolgen, den Einsatz der Antibiotika grundlegend zu verändern und neue Wirkstoffe zu entwickeln.

Die Experten der CDC befürchten, dass Ärzte sich künftig weigern könnten, bestimmte Patienten zu operieren, weil sie fürchten müssen, mögliche Infektionen nicht mehr behandeln zu können. "Wenn wir nicht aufpassen, dann ist der Medikamentenschrank leer", wenn Ärzte Mittel benötigen, um Infektionen zu behandeln, so CDC-Direktor Tom Frieden. "Uns werden die Antibiotika fehlen, die wir brauchen, um Leben zu retten."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurden Gonorrhoe-Erreger und Clostridium difficile versehentlich als Enterobakterien bezeichnet. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.
dba/Reuters
URL:     http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/multiresistente-keime-us-behoerde-cdc-warnt-vor-toedlichen-bakterien-a-922624.html

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Super-Kühe: Milchproduktion im Akkord

von Daniel Krull und Alexandra Ringling
11.6.2013 - Panorama 3 - NDR
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama_3/milchkuh105.html

 

50 Tüten Milch. So kann die Tagesleistung einer einzigen Kuh heute abgepackt aussehen. Längst spricht man von "Hochleistungskühen", von "Super-Kühen". Im Jahr geben sie im Durchschnitt 8.000 Liter Milch. Noch vor 50 Jahren war es bestenfalls die Hälfte. Doch dann wurde Milch zu einem Massenprodukt.

 


Super-Kühe: Milchproduktion im Akkord
...

Immer noch mehr Milch sollen Kühe geben, bis zu 15.000 Liter im Jahr. Doch die Anforderungen bleiben nicht ohne Folgen: Das Tier ist nach relativ kurzer Zeit körperlich am Ende.

Mit der Nachfrage stieg auch der Leistungsanspruch an die Tiere. Besonders gute Tiere schaffen sogar bis zu 15.000 Liter jährlich. Milchproduktion inmitten von HighTech. Immer mehr Landwirte arbeiten mit Melkrobotern - und das höchst effektiv. Statt zweimal kann man so drei- bis viermal täglich Milch absaugen.

Günstige Milch - um welchen Preis?

Milch ist günstig, das geht auf Kosten der Kühe. Alles ist straff durchorganisiert, die Tiere durchnummeriert. Namen tragen sie schon lange nicht mehr. Zum Grasen auf eine Weide kommen sie so gut wie nie. Das Resultat der Hochleistungsproduktion: Milch ist günstig. Das freut die Verbraucher und den Milchbauern sichert die große Nachfrage die Existenz.

Doch welche Rolle spielt in diesem Geschäft der Tierschutz? Für die Milchwirtschaft gibt es zwar eine Empfehlung, wie Kühe zu halten sind, doch anders als bei Legehennen, Masthühnern, Kälbern und Schweinen sind Milchkühe die einzigen Nutztiere, für die es keine eigene EU-Tierschutzrichtlinie gibt. In Brüssel wird eine solche Regelung zwar zurzeit diskutiert, doch ausgerechnet die deutsche Regierung zeigt wenig Engagement.

Auf Nachfrage von Panorama 3 teilt das Bundeslandwirtschaftsministerium telefonisch mit, dass man eine Abwanderung der Milchbauern ins Ausland befürchte, sollten die Gesetze verschärft werden. Und schriftlich heißt es: Die geltenden Tierschutzgesetze halte man für ausreichend. Die Bundesländer müsste sie nur konsequent umsetzen. Es gebe "keine Erkenntnisse, dass mit den bestehenden Anforderungen der Tierschutz bei der Haltung von Milchkühen grundsätzlich nicht gewährleistet werden könne."

Geringe Lebenserwartung

Massenhaft Milch: die Kühe zahlen dafür mit ihrer Gesundheit, so der Biologe Stefan Johnigk von ProVieh. Nicht nur Tierschützer sehen das anders. Der Biologe Stefan Johnigk von ProVieh sagt, dass jede Hochleistungskuh im Stall täglich quasi einen Iron-Man-Triathlon bewältige, also den härtesten Triathlon der Welt. Den Preis dafür zahlt sie mit ihrer Gesundheit. Das Tier ist nach relativ kurzer Zeit körperlich am Ende. Früher wurde eine Kuh mehr als 20 Jahre alt. Die heutige Lebenserwartung liegt bei etwa fünf Jahren. Das Schicksal der Kühe - eine simple Kostennutzenrechnung: Wer nicht genug Milch erzeugt, kommt zum Schlachter.
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30.7.2012 - NDR - Panorama 3

Gute Milch - böse Milch?

Echter Milchschaum ist für viele fast das Beste an einem Cappuccino oder einem Latte Macchiato. Manche Menschen können die darin enthaltene Laktose aber nicht verdauen. Latte Macchiato, Hunderte von Joghurtsorten, Käsespezialitäten, das morgendliche Müsli - Milch ist für viele aus ihrem Speiseplan nicht wegzudenken und Milchprodukte ein Verkaufsschlager. Dafür sorgt auch das erfolgreich beworbene Image der Milch als gesundes Lebensmittel.

Doch nicht jeder verträgt sie: Etwa die Hälfte der Menschheit kann genetisch bedingt den Milchzucker (Laktose) in der Milch nicht verdauen. Ihr fehlt das dafür notwendige Enzym Laktase. Fast jeder fünfte Deutsche leidet unter dieser Laktoseintoleranz. Bei manchen Menschen entwickelt sich die Milchzuckerunverträglichkeit auch erst ab einem höheren Lebensalter.

Milch

Wenn wir schlicht von "Milch" sprechen, meinen wir in der Regel Kuhmilch. Dabei wird auch die Milch von anderen Nutztieren verwertet: etwa von Büffeln, Schafen
oder Ziegen.

Daneben gibt es auch Allergien gegen Milcheiweiße, deren Symptome denen der Unverträglichkeit ähnlich sein. Es kommt dann etwa zu Magen-Darm-Problemen oder auch sofortigem Erbrechen. Andere Anzeichen gleichen denen anderer Allergien: Die Haut juckt und rötet sich, es bilden sich Pusteln und die Nase bildet vermehrt Sekrete. Alternativen für Betroffene können Soja-, Reis- oder Hafermilch sein.

Milch zum täglichen Verzehr empfohlen

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt unter anderem auch Milch zum täglichen Verzehr - für gesunde Menschen. Manche Forscher glauben, dass Milch auch für schwere Krankheiten wie Brust- oder Prostatakrebs verantwortlich sein könnte. Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) erklärt dazu, dass die "Studienlage hierzu nach wie vor nicht einheitlich" sei. Trotzdem empfiehlt die DGE den täglichen Verzehr von Milch - allerdings nur gesunden Menschen. Sie gilt in weiten Teilen der Bevölkerung und unter Milchbefürwortern immer noch als wichtiger Eiweiß- und vor allem Kalzium-Lieferant.

Das dem Bundeslandwirtschaftsministerium unterstellte Max Rubner-Institut (früher Bundesanstalt für Milchforschung) unterstützt diese Botschaft. "Wir decken bis zu 60 Prozent unseres Kalziumsbedarfs aus Milch und Milchprodukten", erklärt der Chemiker Dr. Michael de Vrese. "Vor allem in der Jugend bis 20 Jahre unterstützt Milch den Knochenaufbau, von dem wir dann unser Leben lang zehren. Im höheren Alter kann Kalzium dabei helfen, dass der Knochenabbau verlangsamt und vor allem bei Frauen die Osteoporose hinauszuzögern."

Vitamin-D-Mangel durch zu viel Milch?

Der Osnabrücker Dermatologe Professor Bodo Melnik sieht das jedoch anders. Milch ist aus seiner Sicht zwar nach der Geburt wichtig, aber nur im richtigen Maß: "Es gibt auch genügend Ernährungswissenschaftler, die sich da anschließen, in dem sie sagen, dass Milch eher Osteoporose macht". Das läge daran, erklärt der Arzt, dass der Konsum von Milchprodukten zu "hohen Überlastungen mit Kalzium" führe. Ein hoher Kalziumspiegel senke wiederum den Vitamin-D-Spiegel im Körper. Dabei sei Vitamin D aber genau für die Aufnahme von Kalzium in den Knochen und im Darm sehr wichtig.

Liefert Milch permanent Wachstumssignale?

Das sei nicht die einzige Gefahr, glauben manche Ärzte. Mit übermäßigem Milcheiweißkonsum während der Schwangerschaft könnte es auch zusammenhängen, dass immer mehr übergewichtige Babys auf die Welt kommen. Diese Neugeborenen haben ein erhöhtes Risiko später an Diabetes und Krebs zu erkranken. Bodo Melnik glaubt, dass Milch viel mehr als nur ein Nahrungsmittel sei, denn sie gebe über die in ihr enthaltenen Hormone Wachstumssignale an den menschlichen Körper. Zuviel Milch hat schlimme Folgen, davon ist der Arzt überzeugt. "Die Milch muss hier sicherlich ganz neu hinterfragt werden."
http://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/lebensmittel/milch175.html Siehe auch:

Siehe auch: "Die Milch-Lüge": "Die Deutschen sind Weltspitze im Verzehr von Milchprodukten. Doch mittlerweile mehren sich die kritischen Stimmen. Milch steht unter Verdacht, Krankheiten auszulösen.": http://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/lebensmittel/milch171.html

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01.05.2013

Von gierigen Agrarkonzernen und willfährigen Abnickern

Michael Brückner

Ständig neue Lebensmittelskandale, Gen-Getreide, milliardenschwere Subventionen, dazu Politiker und Behördenvertreter, die nur noch als Abnicker fungieren: Für den Enthüllungsjournalisten Richard Rickelmann ist das Agrar- und Lebensmittelkartell längst außer Kontrolle. In seinem neuesten Buch warnt er: »Die Branche setzt leichtfertig unser aller Gesundheit aufs Spiel.«

 

 

Es macht in aller Regel keinen Unterschied, ob man in einem Restaurant in Berlin, Paris oder New York eine Entenbrust bestellt. Was auf den Teller kommt, stammt mit großer Wahrscheinlichkeit aus den Zuchtlinien der thailändischen Bangkok Ranch Group. Nur ein Beispiel für die Gigantomanie des weltumspannenden Agrar- und Lebensmittelkartells. Richard Rickelmann nennt weitere Auswüchse: Ob bei Geflügel, Schweinen oder Rindern – nur wenige Zuchtlinien beherrschten noch den Markt. Die Genetik für Masthähnchen und Legehennen sei im Besitz von lediglich sechs Konzernen.

Unglaublich, aber wahr: Die milliardenschwere Agrar-, Gentechnik- und Lebensmittelbranche ist außer Kontrolle geraten. Die Macht ihrer Lobby ist so unvorstellbar stark, dass sie Regierungen und EU-Behörden zu Abnickern degradiert. Nicht wenige Experten halten dieses Kartell, das von der Europäischen Union Jahr für Jahr mit rund 60 Milliarden Euro subventioniert wird, für gefährlicher als die maroden Banken. Denn letztlich geht es nicht ums Geld – es geht um unser aller Gesundheit. Der Titel des brisanten Enthüllungsbuches bringt es auf den Punkt: »Tödliche Ernte«. Richard Rickelmann, der vor einigen Jahren den López-Skandal bei VW aufdeckte, ist überzeugt, dass uns das kranke Agrar- und Lebensmittelkartell über kurz oder lang vergiftet.

Gen-Getreide, antibiotikaverseuchtes Geflügel und Milliarden an Steuergeldern, mit denen die Produktion von Lebensmitteln subventioniert wird, die später im Müll landen – das sind nur einige der Symptome dieses kranken Systems. Von den Subventionen profitierten vor allem jene Agrarfabriken und Großbetriebe, die den Trend zur Industrialisierung der Landwirtschaft wesentlich geprägt haben, weiß Rickelmann. Ohne diese Milliardentransfers wären viele dieser Betriebe gar nicht überlebensfähig. Rickelmanns Buch ist daher nicht zuletzt ein engagiertes Plädoyer für eine Abkehr von der Gigantomanie und die Rückkehr zu einem schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen und Lebensmitteln.

Denn die Gier ist offenbar nicht nur in den Finanzkonzernen ausgeprägt. »Ackerland und Tiermast sind zu Spekulationszielen von Großinvestoren geworden. In dieser Branche hat sich eine Wachstumsgier ausgeprägt, die jedes Augenmaß vermissen lässt«, schreibt der Autor. Das Schwein und das Geflügel seien zu einem Synonym für Tierleid geworden – gemästet für den schnellen Gewinn, geschunden für die Sonderangebote beim Discounter. Rickelmann schreibt in diesem Zusammenhang von der »Frankenstein-Industrie«, die diese Barbarei zu verantworten habe.

Der Journalist nennt die Namen besonders rücksichtsloser Konzerne. Dazu zählt aus seiner Sicht unter anderem Monsanto. Der börsennotierte US-Konzern produziert nicht nur Saatgut und Herbizide, sondern bedient sich seit den 1990er Jahren auch der Biotechnologien zur Erzeugung gentechnisch veränderter Früchte. Der Name »Monsanto« stehe für Skrupellosigkeit und Korruption, für globale Umweltvergiftung und Betrug, schreibt Rickelmann. Die »Chemiemanager sind berüchtigt für ihr zynisches und menschenverachtendes Denken. Sie ignorieren gesetzliche Vorschriften, vertuschen Umweltkatastrophen, mauscheln mit Aufsichtsbehörden und Regierungen, nehmen Studien über dramatische gesundheitliche Folgen ihrer hochgiftigen Chemikalien unter Verschluss und verlangen von Wissenschaftlern geschönte Gutachten«, heißt es in dem brisanten Sachbuch.

Probleme seitens der Behörden brauchen die Konzerne nicht zu befürchten, denn die Manager von Monsanto wissen ihre Macht gezielt einzusetzen. Die Abnickerbehörden der EU plapperten unkritisch die Monsanto-Aussagen nach, beschreibt Rickelmann das »Amigo-System« in der Agrar- und Lebensmittelbranche. »Es ist schon erschreckend, wie leicht es Konzerne haben, sich in der EU die Verwertung ihrer gentechnisch veränderten Pflanzen genehmigen zu lassen. Einwände von Experten in den Mitgliedsländern Österreich, Belgien und Deutschland wurden schlichtweg ignoriert«, schreibt der Autor. Arrogant hätten die EU-Prüfer ihre österreichischen Kritiker abblitzen lassen.

Von all dem soll der Verbraucher natürlich wenig, am besten gar nichts mitbekommen. Ihm spielt man in offenkundiger Verblödungsabsicht die heile Welt vor. Deshalb leisteten sich die Landwirtschaftsverbände mit dem Deutschen Landwirtschaftsverlag in Münster eine eigene Propagandamaschine, die zum einen für die Mitgliederbindung an den Verband sorgen und zum anderen den Menschen eine Welt vorgaukeln soll, die es tatsächlich gar nicht gebe, kritisiert Rickelmann.

Immerhin ist der Verlag dabei sehr erfolgreich. Das Magazin Landlust verzeichnete im ersten Quartal 2013 eine Auflage von rund 1,1 Millionen Exemplaren. Das Blatt sei für konfliktscheue Leser konzipiert. Es blende die Probleme der Landwirtschaft einfach aus und berichte stattdessen über höhensichere Bergschafe und »Die Wiege der Gartenzwerge«.  http://info.kopp-verlag.de/drucken.html;jsessionid=682C7D1A412CEA5551E35A569D89B9B3?id=16573
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Alarm: Glyphosat im Harn von Mensch und Tier
http://www.provieh.de/node/11097

15.03.2012: Glyphosat, ein industriell hergestelltes Gift, wird massenhaft als Herbizid eingesetzt und wurde jetzt im Harn von Großstädtern nachgewiesen, die mit Landwirtschaft nichts zu tun haben. Erfunden wurde Glyphosat 1950 in der Schweiz, ohne zunächst beachtet zu werden. Erst Monsanto entdeckte dessen Eignung als Herbizid und benutzt es seit 1974 als Hauptwirkstoff des damals neuen Herbizids Roundup. Es kann alle grünen Pflanzen innerhalb einer Woche abtöten. So werden Äcker vor der Aussaat von Wildpflanzen befreit.

In einem zweiten Schritt schuf Monsanto gentechnisch veränderte Nutzpflanzen, die resistent gegen Roundup sind, so dass selbst in ihrer Wachstumsphase die übrigen Pflanzen des Ackers mit Roundup totgespritzt werden können. Unter Sträuchern, Rebstöcken und anderen verholzten Pflanzen, die an ihrer Basis keine grünen Pflanzenteile haben, können mit Roundup die bodennahen krautigen Pflanzen jederzeit totgespritzt werden.

Eine dritte Möglichkeit der Anwendung wird als Sikkation bezeichnet (wörtlich: Austrocknung; propagiert als „Vorernte“ oder „kontrollierte Abreife“): Ein bis zwei Wochen vor der Ernte von Getreide, Erbsen, Bohnen, Raps, Lein oder Kartoffeln wird Roundup oder ein anderes Glyphosat-haltiges Herbizid auf die Felder gespritzt, um alle grüne Pflanzenmasse (einschließlich der grünen Teile der Erntepflanzen) abzutöten. Als Vorteil wird beworben, dass noch unreifes Erntegut zur „Totreife“ kommt, dass bei Erbsen, Bohnen und Raps zusätzlich das vorzeitige Aufplatzen der Schoten verhindert wird, dass die Mähdruschleistung und der Körnerverlust beim Mähdreschen verringert werden und dass deshalb der Gewinn steigt. Aber dann kommt für die Gesellschaft der Verdruss.

 

Foto : © Potatoes awaiting harvest/ Wikipedia

Glyphosat ist seit dem Wegfall der Patentrechte billig geworden und wird deshalb in riesigen Mengen produziert, gegenwärtig 800.000 oder mehr Tonnen pro Jahr, die Hälfte davon in China. Das Gift ist mittlerweile allgegenwärtig. Durch die späte Anwendung zur Sikkation haftet es noch am geernteten Brot- und Futtergetreide und gelangt über die Nahrungsaufnahme in den Körper von Mensch und Tier. Kann es vom Darm auch weiter in den Körper gelangen? Dieser Frage ging im Dezember 2011 ein deutsches wissenschaftliches Labor nach und prüfte den Harn von Berlinern, die keinen Kontakt zur Landwirtschaft haben. Glyphosat wurde tatsächlich in deren Harn gefunden, in einer Menge von 0,5 bis 2,0 Nanogramm (milliardstel Gramm) pro Milliliter. Zum Vergleich: Trinkwasser darf höchstens 0,1 Nanogramm Glyphosat pro Milliliter enthalten, und die EU hat den Glyphosat-Grenzwert für Brotgetreide um das 100fache und für Futtergetreide um das 200fache gegenüber dem für Gemüse heraufgesetzt. Das Untersuchungslabor weiß um die Brisanz seiner Ergebnisse, fürchtet deswegen Repressionen und will seine Identität und die genauen Ergebnisse erst im Laufe von 2012 publizieren. Auch andere Labors wurden mit dem Aufbau der Glyphosat-Analytik beauftragt, um Proben in repräsentativen Größenordnungen zu untersuchen. Das bedeutet Schutz für das erste Labor und dient dem Unabhängigkeitsbeweis von dessen Ergebnissen.

Die Ergebnisse sind schockierend. Sie liegen der Redaktion des „Ithaka Journal“ vor und wurden in deren Heft 1/2012 (Seiten 9-12) im Überblick veröffentlicht. Allgemein ist bekannt: Wenn Glyphosat im Harn gefunden wird, muss es vorher im Blut gewesen sein, denn anders kann es über die Niere nicht in den Harn gelangen. Wenn Glyphosat alle Schranken vom Darm bis in den Harn überwinden kann, dann könnte es auch andere Schranken im Körper überwinden und zum Beispiel vom Blut in das Gehirn, in die Milchdrüsen und – während der Schwangerschaft – in den embryonalen Kreislauf des werdenden Lebewesens gelangen. Außer Backwaren wären dann auch Fleisch und Milchprodukte mit Glyphosat verunreinigt, und wir würden das Gift praktisch täglich aufnehmen, in sehr geringen Mengen nur, aber es reichert sich im Körper durch Bioakkumulation an, und das ist gefährlich. Schon jetzt mehren sich die Indizien, dass Glyphosat die Fruchtbarkeit von Mensch und Tier verringern und die Entwicklung eines Embryos im Mutterleib schädigen kann (Provieh-Magazin 4/2011, Seiten 16-17). Wegen der Bioakkumulation im Körper und der Gefahr für die Fruchtbarkeit von Mensch und Tier und für das werdende Leben im Mutterleib fordert PROVIEH, dass Glyphosat-haltigen Mittel für die Sikkation gesetzlich verboten werden.

Vor diesem Hintergrund ist mehr als bedenklich, dass Glyphosat-haltige Mittel auf Baumärkten leicht erhältlich sind, so dass die Gefahr der unsachgemäßen Anwendung besteht. Glyphosat, ursprünglich als Wundermittel gefeiert, entpuppt sich jetzt als Schreckgespenst. Eine solche Metamorphose haben wir im Fall des Insektizids DDT schon einmal erlebt.
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Werner Onken:
Geld- und bodenpolitische Grundlagen einer Agrarwende
125 Seiten, Pb. - ISBN 3-87998-447-6; 8,00 EURO, Verlag für Sozialökonomie,
Kiel

Während die industrialisierte Landwirtschaft des Nordens gigantische Lebensmittelüberschüsse produziert, hungern auf der Südhalbkugel der Erde Millionen von Menschen. Doch warum kommt die nötige Agrarwende nur so langsam voran? Werner Onken erläutert in diesem Buch, wie sehr sie durch das geltende Bodenrecht und das bestehende Geldwesen erschwert wird. Nach Rückblicken auf die Agrarpolitik im 19. Jahrhundert, im Nationalsozialismus und im Kommunismus sowie in der kapitalistischen Weltwirtschaft nach 1945 deutet er an, wie sich die Landwirtschaft nach einer Reform von Bodenrecht und Geldwesen innerhalb einer ’Marktwirtschaft ohne Kapitalismus’ zu einem bäuerlichen Ökolandbau ’zwischen Pferdegespann und Agrarfabrik’ entwickeln könnte.
Siehe auch: http://www.sozialoekonomie.info/  und: http://www.postwachstumsoekonomie.de/

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Niko Paech, Befreiung vom Überfluss, Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie, oekom-Verlag, München 2012:

Noch ist die Welt nicht bereit, von der Droge »Wachstum« zu lassen. Aber die Diskussion über das Ende der Maßlosigkeit nimmt an Fahrt auf. Der Umweltökonom Niko Paech liefert dazu die passende Streitschrift, die ein »grünes« Wachstum als Mythos entlarvt. Nach einer vollen Arbeitswoche möchte man sich auch mal etwas gönnen: ein neues Auto, ein iPad, einen Flachbildfernseher. Ruckzuck steckt man im Teufelskreis aus Konsumwunsch und Zeitmangel. Und nicht nur das: der stete Ruf nach »mehr« lässt Rohstoffe schwinden und treibt die Umweltzerstörung voran. Dabei gelten »grünes« Wirtschaftswachstum und »nachhaltiger« Konsum als neuer Königsweg. Doch den feinen Unterschied - hier »gutes«, dort »schlechtes« Wachstum - hält Niko Paech für Augenwischerei. In seinem Gegenentwurf, der Postwachstumsökonomie, fordert er industrielle Wertschöpfungsprozesse einzuschränken und lokale Selbstversorgungsmuster zu stärken. Das von Paech skizzierte Wirtschaften wäre genügsamer, aber auch stabiler und ökologisch verträglicher. Und es würde viele Menschen entlasten, denen im Hamsterrad der materiellen Selbstverwirklichung schon ganz schwindelig wird. - Siehe auch: http://www.socialnet.de/rezensionen/13185.php

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Dagmar von Cramm / Martin Kintrup
Vegetarisch genießen
192 Seiten, mit ca. 250 Farbfotos
Format: 21,0 x 27,0 cm, Hardcover
19,99 ¤ (D)
ISBN: 978-3-8338-0479-3

Rund 6 Millionen Vegetarier leben in Deutschland, davon viele"Teilzeit-Vegetarier", dieganz bewusst nur wenig Fleisch essen und
dabei besonderen Wert auf die Qualität vonLebensmitteln setzen.Deshalb sind die rund 200 Rezepte in diesemBuch: fix und ausgewogen für den Alltag,
besonders und raffiniert für das Genusskochen am Wochenende oder für Gäste und schmecken dem Fleischesser und Teilzeit-Vegetarier genauso
wie dem überzeugten Fleisch-Verzichter. Internationale Lieblinge all over the world mit Schwerpunkt auf den großenfleischarmen Küchen: Mittelmeer, Asien
und Indien finden sich neben good oldHausmannskost, Klassiker der vegetarischen Küche neben aufregender Cross-over-Küche.

Der Theorieteil informiert über gesunde Ernährung und wertvolle Lebensmittel. Ein warenkundliches Vegetarier-Food-Lexikon zum Nachschlagen
schließt sich an den Rezeptteilan und gibt wertvolle Tipps zu Einkauf und Lagerung und Haltbarkeit und die wichtigsten kückenpraktischen Basics.
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GRÄFE UND UNZER VERLAG, München 2009.
Internet: http://www.gu.de/buecher/kochbuecher/vegane-vegetarische-kueche/6113-Vegetarisch-geniessen/

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Björn Moschinski
Hier & jetzt vegan
Marktfrisch einkaufen, saisonal kochen


Gebundenes Buch, Pappband, 144 Seiten, 21,0 x 26,0 cm
ca. 85 Abb.
ISBN: 978-3-517-08825-9
€ 17,99 [D]
Südwest Verlag München 2013

Vorwort: Begrüßung Patrick Baboumian
Schon als Kind lernen wir eine antithetische Beziehung zwische gesundem und leckerem Essen. Was gesund ist, schmeckt nicht, was schmeckt, ist meistens nicht gesund. Und wenn wir erwachsen werden, dann wenden wir dieses Denkmuster auch auf andere Eigenschaften von Essen an. Zum Beispiel sind Lebensmittel, die unter ökologischen Bedingungen hergestellt wurden, teurer als ihre Nicht-Öko-Pendants. Doch muss das wirklich so sein?
Der Wechsel zu einer veganen Ernährung stellt einen bedeutenden Schritt in Richtung einer ökologisch vertretbaren und nachhaltigen Lebensweise dar. So kann jeder Einzelne einen Beitrag zur Nachhaltigkeit der gesamten Gesellschaft leisten und das mit überschaubarem Aufwand. Wenn man gut informiert ist, dann stellt man fest, dass die vegane Küche zugleich eine durchaus erschwingliche Alternative zur gemeinen Mischkost darstellt. Zudem ist eine vegane Ernährung ein guter Schutz vor nahezu sämtlichen Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar Krebs. Doch obwohl das so ist, warum sind es dann immer noch so wenige Menschen, die die Vorteile der veganen Lebensweise für in Anspruch nehmen?
Es ist eben der in der Kindheit gelernte Irrglaube, dass das, was gesund ist, nicht lecker sein kann. Und deshalb bin ich unendlich dankbar, dass es Menschen wie Björn Moschinski gibt. Björn kämpft tagtäglich mit viel Herzblut gegen diese Voreingenommenheit. Mit seiner Küche und seinen Kochbüchern sowie seinen öffentlichei Auftritten zeigt er, dass eine ökologisch, gesundheitlich und ethisch bewusste Küche erschwinglich und vor allen Dingen unverschämt lecker ist.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit diesem inspirierenden Kochbuch und vor allem einen guten Appetit beim genussvollen Nachkochen der verführerischen Rezepte.
Ihr Patrik Baboumian (stärkster Mensch Deutschland, 2011/12)
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“Das ganze Jahr über vegan genießen, ganz einfach und lecker: Björn Moschinski, der bekannteste vegane Koch der Szene, liefert über 60 neue Rezeptideen, die nicht nur für köstliche Abwechslung auf dem Teller sorgen, sondern auch mit saisonalen Zutaten ganz leicht zuzubereiten sind. So findet jeder das passende Gericht für jede Jahreszeit, jeden Anlass und jeden Geschmack! Der vermeintliche Verzicht wird damit zum nachhaltigen Genusserlebnis und begeistert auch alle, die zeitweilig eine Ernährungsalternative suchen.”
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Björn Moschinski
Björn Moschinski ist mit 14, nach einem Artikel in der BRAVO, Vegetarier geworden, ein Jahr später Veganer. Auf Demos hat er dann schnell gemerkt, dass niemand glauben wollte, wie schmackhaft veganes Essen ist. Also begann er für andere zu kochen. 2001 gründete er sein eigenes Unternehmen, Herbivore Catering, ab 2005 folgten Praktika in der regulären À-la-carte-Gastronomie. Im Münchner Zerwirk wurde er 2007 schon nach kurzer Zeit Souschef, 2008 schließlich Chefkoch im veganen Restaurant La Mano Verde in Berlin. 2011 konnte Björn Moschinski ein lange gestecktes Ziel verwirklichen und eröffnete mit dem Kopps sein eigenes Restaurant, ebenfalls in Berlin. Das Kopps bietet stilvolles Ambiente und gutbürgerliche Küche zu fairen Preisen. Moschinski wir als kompetenter, sympathischer Gesprächspartner in Print-, Online- und TV-Medien geschätzt. 2011 erschien sein erstes Kochbuch "Vegan kochen für alle". http://www.bjoernmoschinski.de/ und: www.kopps-berlin.de

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http://www.derwesten.de/thema/irrtuemer-des-lebens/ohne-fleisch-mangelerscheinungen-zehn-irrtuemer-ueber-vegetarier-id7742246.html

Ernährung

Ohne Fleisch Mangelerscheinungen? Zehn Irrtümer über Vegetarier

21.03.2013 | 07:38 Uhr
 
Die „Nationale Verzehrs Studie“ hat ergeben, dass eine vegetarische Ernährungsweise gesünder ist als eine Fleischmischkost.Foto:

Kein Fleisch, keine Wurst, kein Fisch! Was kann man dann noch essen außer Beilagen und Salat? Die meisten Menschen haben ein ganz falsches Bild vom Vegetarismus. Der Ernährungswissenschaftler Dr. Detlef Pape klärt die größten Irrtümer zum Thema vegetarische Ernährung.

Braucht der Mensch überhaupt Fleisch? Ist eine vegetarische Ernährung besser für die Umwelt? Kann ich durch eine vegetarische Ernährung alle wichtigen Nährstoffe zu mir nehmen? Und macht eine vegetarische Ernährung überhaupt satt? Vielen ist der Vegetarismus fremd. Der Ernährungswissenschaftler Dr. med. Detlef Pape klärt Irrtümer auf, und gibt Antworten auf Fragen rund ums Thema.

Ist vegetarisches Essen grundsätzlich gesünder?

Das stimmt nicht in jedem Fall. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen leben Vegetarier zwar ein klein wenig länger. Und die „Nationale Verzehrs Studie“ hat ergeben, dass eine vegetarische Ernährungsweise gesünder ist als eine Fleischmischkost.

Das liegt nach Angaben von Dr. Pape daran, dass Fleisch zu viel gesättigte Fettsäuren enthält, die lagern sich bei einem übermäßigen Fleischverzehr in den  Zellen ab, und führen so zu einer Insulinresistenz, einer Vorstufe der Zuckerkrankheit. Vegetarier haben dieses Problem nicht, sie nehmen hauptsächlich ungesättigte Fettsäuren zu sich.

Dennoch kann Vegetarismus in Verbindung mit einer zu einseitigen Ernährung zu Mangelerscheinungen führen.

Haben Vegetarier häufig Probleme mit Mangelerscheinungen?

Stimmt nicht! Normalerweise haben Vegetarier keine Probleme mit Mangelerscheinungen. „Allerdings hängt das vom Kenntnistand des jeweiligen Vegetariers über seine Nahrungsmittel ab“, erklärt Detlef Pape. Für eine ausgewogene Ernährung sind zum Beispiel verschiedene Getreide notwendig. Wer auf vegetarisches Essen umsteigt, sollte sich also vorher gut über solche Grundsätze informieren.

Besonders Frauen die sich vegetarisch Ernähren, müssen während ihrer Periode darauf achten, dass sie zusätzlich Eisen und Zink zu sich nehmen. Denn obwohl Sonnenblumenkerne, Eier und Linsen viel davon enthalten, durch die Ballaststoffe diesen nicht richtig aufnehmen. Streng vegetarischen Frauen in den Wechseljahren empfiehlt der Ernährungswissenschaftler zusätzlich Vitamin D3 einzunehmen, um eine Osteoporose zu verhindern.

Bleiben Vegetarier eher schlank?

Macht vegetarisches Essen genauso satt wie fleischhaltiges?

Auch wenn viele Vegetarier behaupten, ihr Essen mache genauso satt, ist das falsch. Erhitztes Eiweiß bleibt länger im Magen, der Körper braucht lange, um es zu verdauen. Ein Schnitzel kann bis zu sechs Stunden im Magen bleiben, bis es vollständig verdaut ist. Noch länger brauchen nur Bratheringe, die verdaut der Magen bis zu acht Stunden. Aus dem Grund hält das Sättigungsgefühl länger an als bei Reis und Gemüse.

I st vegetarisches Essen besser für die Figur?

Das ist natürlich ein Irrtum. Denn Schokolade, Pudding, Sahne und Käse sind auch vegetarisch, jedoch hat der einseitige Verzehr von „Käse-Makkaroni-Auflauf “ drastische Auswirkungen auf die Figur. Da ist mageres Fleisch deutlich besser. „Bei allen Ernährungsformen kommt es immer auf die Menge an , in der man etwas isst“, rät der Ernährungswissenschaftler. Auch Vegetarier können Probleme mit Übergewicht bekommen.

Sollte man Kinder vegetarisch ernähren?

Generell wird Eltern zwar geraten, ihrem Kind ein bis zweimal die Woche Fleisch zu geben, um einem Eisenmangel vorzubeugen. Wer stattdessen auf eisenhaltige Tabletten setzt, sollte vorsichtig sein: Sie können starke Magenschmerzen verursachen. Allerdings haben erfahrene  Vegetarier die Möglichkeit ihren Kinder beispielsweise (ebenfalls stark eisenhaltige) Haferflocken mit Fruchtsaft zu geben, „durch das Vitamin C wird die Aufnahme von dem Eisen verstärkt“,erklärt Dr. Pape. Im dem Fall könnten auch kleine Kinder auf Fleisch verzichten.

Vegetarische Ernährung in der Schwangerschaft?

Schadet eine vegetarische Ernährung in der Schwangerschaft dem ungeborenen Kind?

Eine rein vegetarische Ernährungsweise absolut unproblematisch für das Kind. Es sollte darauf geachtet werden, dass die schwangere Frau keinen Jodmangel erleidet , der hat schwere Folgen für das ungeborene Kind. Jedoch betrifft das nicht nur Vegetarierinnen, sondern alle schwangeren Frauen. Ernährungswissenschaftler raten Frauen dringend zu einem Ergänzungsmittel, Kinder können ansonsten mit verdickten Schilddrüsen  auf die Welt kommen. Außerdem kann das Gehirn nicht richtig ausreifen, Jodmangel kann also sogar den IQ des Kindes stark beeinträchtigen.

Ist der plötzliche Verzicht auf Fleisch schädlich?

Ein verbreiteter Irrtum! Der Mensch war immer schon ein „Allesesser“. Schon vor 20.000 Jahren habe die Menschen sich während der Eiszeit, über Jahre von Wurzeln und anderem Wintergemüse ernährt. „Der Mensch ist noch aus früheren Zeiten gewohnt, für längere Zeit auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten“,  so Dr. Pape. Braucht der Körper dann überhaupt Fleisch? Nein. Fleisch ist reiner Luxus und für unseren Körper nicht zwangsläufig notwendig. Es gibt ganze Bevölkerungsgruppen in Indien oder China die überhaupt kein Fleisch essen.

Ist vegetarisches Essen teurer?

Vegetarisches Essen ist genauso umweltschädlich wie Fleisch?

Das ist falsch. Natürlich schadet  der Transport von Obst und Gemüse aus dem Ausland nach Deutschland der Umwelt. Allerdings steht das in keinem Verhältnis zu der Umweltschädlichkeit von Fleisch. Dafür gibt es viele Beispiele: Für ein Kilo Rindfleisch müssen 15.000 Liter Wasser verbraucht werden, damit könne man ein Jahr täglich duschen, wie Forschungen des „Worldwatch Institute“ ergaben. Wälder werden abgeholzt für den Anbau von Tierfutter oder um die Tiere zu halten. „Es gibt noch viele weitere Gründe, das soll jedoch nicht bedeuten, dass niemand mehr Fleisch essen darf“, so der Ernährungswissenschaftler. Es sei jedoch wichtig, dass die Menschen bewusster ihre Lebensmittel einkaufen und essen, betont Dr. Pape.

Vegetarisches Essen ist teurer und aufwändiger?

Wenn man von Massentierhaltung absieht, ist das falsch. Gutes Fleisch ist sehr teuer und Billig-Fleisch schadet der Gesundheit. Auch ist die Zubereitung einer vegetarischen Mahlzeit nicht, wie viele behaupten, aufwändiger. Doktor Detlef Pape ist sich sicher: das ist Gewohnheitssache!

Als Leistungssportler kann man kein Vegetarier sein?

Ein weit verbreiteter Irrtum ist die Annahme, Leistungssportler müssten regelmäßig Fleisch essen, damit sie genügen Eiweiß zum Muskelaufbau bekommen. - Weit gefehlt! Auch Leistungssportler können sich rein vegetarisch Ernähren, wichtig ist nur dass sie ihren Bedarf decken. Sie sollten zu Beispiel mehr Nudeln oder Basmatireis essen, die enthalten viel Kohlenhydrate und sind wichtig für den Energieverbrauch. „Gut für den Eiweißbedarf sind beispielsweise Hülsenfrüchte, die enthalten mehr Eiweiß als ein Schnitzel“, sagt Doktor Pape.

Laura Senkbeil

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"Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka"
Charles Patterson ("Eternal Treblinka")
Deutsch von Peter Robert. Ca. 320 Seiten. Fadenheftung. Fester Einband.
Zweitausendeins Versand Dienst GmbH, Frankfurt am Main, Ferdinand-Porsche-Str. 37-39, 60386 Frankfurt am Main, Telefon: 069-420800-0; (leider nicht im normalen Buchhandel erhältlich, Ladengeschäfte in einigen Städten; Internet: www.zweitausendeins.de )

VERLAGS-REZENSION:
Jetzt erscheint Charles Pattersons umstrittenes Buch über die Ursprünge des industrialisierten Tötens. Von der Massenhaltung und Versklavung der Tiere führt ein direkter Weg hin zur industriellen Massenschlachtung. Patterson zeigt, wie schon früh Mechanismen der Tierhaltung und -behandlung auf Menschen übertragen wurden. Patterson erklärt außerdem, warum Henry Ford 1938 in Detroit den höchsten Nazi-Orden erhielt, wie es kam, dass amerikanische Stiftungen die deutsche Rassefor- schung über Jahre großzügig finanziell unterstützten, warum ein US-Forscher wissenschaftlicher Berater für das erste Gas- kammer-Vernichtungsprogramm der Nazis wurde, wie Himmler vom Geflügelzüchter zum Menschenzüchter und -vernichter wurde u.a. Er widmet sein Buch dem Literaturnobelpreisträger Isaac Bashevis Singer, der den erschütternden Satz schrieb: "Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka."

Die Zivilisationskritik, die der Sozialhistoriker Charles Patterson in diesem Buch vorlegt, ist radikal und bedrückend.

Im Mittelpunkt steht die Geschichte des Verhältnisses von Mensch und Tier. Patterson legt dar, dass die großen Schritte in diesem Verhältnis, Domestizierung von Haustieren, ihre Abrichtung zu willenlosen Arbeitssklaven, der allmähliche Übergang zu Massenzucht und Massentierhaltung, das industrielle Töten am Fließband in Schlachthoffabriken einer niemals unterbro- chenen Linie und Logik folgen, einer Logik der stetigen Verrohung. Ihren Kulminationspunkt erreicht diese Entwicklung im 20. Jahrhundert. Was wir nicht wahrnehmen und begreifen wollen:

Es gibt einen direkten Weg, der von den gewaltigen Großschlachthöfen Chicagos Ende des 19. Jahrhundert zu den Vernich- tungslagern der Nazis führt. Patterson zeigt, die Routinen des Genozids schreiben die Routinen des Massenmord an den Tie- ren fort. Die empathielose Rohheit, die unsere Zivilisation über Jahrtausende im Verhalten zu Tieren eingeübt hat, schlägt in Belzec, Maidanek, Hadamar, Sobibor und Treblinka auf die Zivilisation zurück und wendet sich nun gegen die Genossen der eigenen Gattung. Was in der Tierzucht erprobt war, kehrte im Rassenwahn der Eugenik zurück. In Eisenbahnwaggons, die für den Tiertransport gebaut worden waren, wurden die Juden in den Osten deportiert.

Der Stacheldraht wurde zuerst im wilden Westen um die großen Tierherden gezogen, bevor er zum Symbol für Konzentra- tionslager wurde.

Die Baracken vom Typ "OKH 260/9", in die die Häftlinge in Auschwitz gepfercht wurden, war der Normtypus eines Pferde- stalls. Ihren Vorbildern, den Schlachthöfen, gleichen die Konzentrationslager bis in Details. Patterson erklärt außerdem,
-  "warum der Weg nach Auschwitz durch Amerika führte",
-  an welchen US-Gesetzen sich die Nazis ein Beispiel nahmen,
-  warum ein US-Forscher wissenschaftlicher Berater für das erste Gaskammer-Vernichtungsprogramm der Nazis wurde,
-  wie Himmler vom Geflügelzüchter zum Menschenzüchter und -vernichter wurde u.a.

Der Holocaust hat die Überlebenden und ihre Angehörigen sensibel gemacht für das Leid, das Menschen einander zufügen - aber auch für die Qualen, die tagtäglich Milliarden von Tierenerfahren.

Charles Patterson widmet sein Buch dem Literaturnobelpreisträger Isaac Bashevis Singer, der den erschütternden Satz schrieb: "Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka".

Charles Patterson: "Ich hoffe sehr, dass dieses Buch Menschen sensibilisiert für die Mentalität, die zum Holocaust geführt hat, und dass es dazu beiträgt, dass so etwas nie wieder geschieht. Ich hoffe auch, dass das Buch unserer Gesellschaft dabei hel- fen wird, die furchtbare Behandlung von Tieren zu begreifen, Verantwortung zu übernehmen und unsere Arroganz gegenüber der Erde und all ihren Bewohnern zu erkennen. Ich wünsche mir, dass die Diskussion des Buches dazu beiträgt, das Ausmaß an menschlichem und tierischem Leiden in der Welt zu reduzieren."  http://www.tierschutz-landwirtschaft.de/html/lese-hor-tipps.html  und: http://www.mediazeit.de/tierdach/news_seite/buchtipps/patterson.shtml  und: http://www.vebu.de/alt/aktuelles/2005/Buchbesprechung__Fuer_die_Tiere_ist_jeden_Tag_Treblinka.htm

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23.07.2013 | SWR/Report Mainz (ARD): Hohe Nitratwerte im Grundwasser Umweltbundesamt fordert Verschärfung der Düngeverordnung - http://www.swr.de/report/presse/duengeverordnung/-/id=1197424/vv=print/pv=print/nid=1197424/did=11786158/ii9730/index.html

Mainz. Das Umweltbundesamt und die EU-Kommission drängen nach Recherchen von REPORT MAINZ wegen hoher Nitratwerte im Grundwasser darauf, die Düngeverordnung zu verschärfen.

Der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, erklärt im Interview mit REPORT MAINZ: "Ein Viertel des Grundwassers in Deutschland hat zu hohe Nitratwerte. Das ist ein gravierendes Problem."

Gülle aus der Viehhaltung und Gärreste aus Biogasanlagen verunreinigten das Wasser mit Nitrat. Vor allem die schnell wachsende Anzahl an Biogasanlagen und der damit verbundene Maisanbau verschärfe das Problem.

Um das Grundwasser besser vor Nitrat zu schützen, gebe es "dringenden Handlungsbedarf". Weiter erklärt Flasbarth: "Das Umweltbundesamt empfiehlt dringend, dass die Düngeverordnung präzisiert und verschärft wird." Dabei sei es sehr wichtig auch die Gärreste aus den Biogasanlagen in schärfere Regelungen für Dünge-Höchstmengen mit einzubeziehen.

Auch die EU-Kommission ist über "die Entwicklung der Wasserqualität in Deutschland besorgt". Das geht aus einem internen, bisher unveröffentlichten Schreiben der Kommission an das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV) hervor, welches REPORT MAINZ vorliegt.

Die Kommission fordert, Deutschland müsse sicher stellen, dass die Wasserqualität in einem angemessenen Zeitrahmen akzeptabel werde. Eine "Verbesserung der derzeit geltenden Maßnahmen" zum Grundwasserschutz sei erforderlich, um die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu erreichen.

Die Kommission zeigt sich vor allem über den wachsenden Anbau an Energiepflanzen wie z.B. Mais besorgt, da diese zu einer Verschärfung der Nitratbelastung im Grundwasser beitrage. Die Düngeverordnung müsse deutlich verschärft, die Stickstoffbelastung schneller reduziert werden, da Deutschland sonst die "Ziele der Richtlinie in Bezug auf Grundwasser [...] nicht vor 2064" erreichen werde.

Auf Nachfrage von REPORT MAINZ erklärt Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner, CSU, dazu: "Wir arbeiten im Moment gerade an der ganzen Düngeverordnung, letztendlich auch mit der Kommission. Das ist ein normaler Prozess der dauert mehrere Jahre in der Regel und da sind wir gerade dran."

Deutschland hatte sich bereits vor mehr als 20 Jahren verpflichtet, die Nitratwerte im Grundwasser zu senken und dafür zu sorgen, dass alle Gewässer in einem guten chemischen Zustand sind.

Das ist bisher nur teilweise gelungen. In zahlreichen Regionen steigen die Nitratwerte weiter an. Betreiber von Wasserwerken befürchten den Grenzwert für Nitrat von 50 mg / Liter bald nicht mehr einhalten zu können.

Bernhard Röhrle vom Zweckverband Landeswasserversorgung in Stuttgart erklärt gegenüber REPORT MAINZ: "Die Situation ist besorgniserregend. Wir müssen dringend und kurzfristig reagieren, so dass es zu keinen Grenzwertüberschreitungen kommt."

Egon Harms vom Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbund sagt in REPORT MAINZ: "Die Situation ist für uns hier mittlerweile hoch dramatisch, weil die Nitratwerte wieder steigen." Für Nitrat gilt ein strenger Grenzwert, da Nitrat im Körper zu Nitrosaminen umgebaut werden kann. Diese sind krebserregend.

Letzte Änderung am: 23.07.2013, 11.52 Uhr

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Romuald Schaber, Blutmilch - 272 Seiten, Erscheinungsjahr: 2010, Pattloch- Verlag, München, ISBN: 978-3-629-02273-8 (Preis: 18,00 Euro). Eine Rezension des Buches: http://www.provieh.de/s3429.html   -  Der Milchbauer schildert, wie durch "Liberalisierung" und "Globalisierung" der Landwirtschaft in die Natur eingebundene Landwirte gezwungen werden, in die Massentierhaltung und Chemieabhängigkeit zu gehen.  Aber auch die Notwendigkeit zur Gegenwehr wird ausführlich begründet. 

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Schon Hermann Löns beschrieb in seinen Naturschilderungen den Heckenschwund:
Die Dornhecke, Mein buntes Buch, Hermann Löns

Es gab einmal eine Zeit, da sah die Feldmark so bunt und kraus aus wie eine Federzeichnung von Albrecht Dürer.

Jeder Grabenbord hatte sein Dorngestrüpp, jede Böschung ihr Gestrüpp, alle Teiche und Tümpel waren von Weiden und Erlen eingefaßt, und an Wildbirnbäumen, Kopfweiden und Pappeln war kein Mangel.

Dann kam die Verkoppelung, und aus war es mit der ganzen Herrlichkeit. Die Büsche und Bäume fielen überall unter der Axt, selbst da, wo sie niemand im Wege standen und keinen Schatten auf den Acker oder in die Wiese warfen. Kahl und langweilig wurde das Gelände und arm an Vogelsang und Falterflug, und alle die schönen bunten Blumen, die in dem Gebüsche wuchsen, verschwanden.

Eine einzige Hecke ist in der ganzen weiten, breiten Feldmark noch übriggeblieben. An der Wetterseite des Hohlweges zieht sie sich entlang und schützt ihn vor Erdrutsch und Schneeverwehung. Die Schlehe und der Weißdorn bilden mit Kreuzdorn und Heckenrose ein dichtes Gewirre, dessen Grund von Brombeeren, Himbeeren und Stachelbeeren besäumt wird, und dazwischen verschränken sich Nesseln, Disteln, Kletten und andere Stauden zu einem engen Verhau.

Wie ein mürrisches braunblaues Bollwerk steht jetzt die Hecke im überschneiten Felde. Man sieht es ihr nicht an, wie schön sie im Vorfrühling ist, wenn die Schlehen sich mit weißen Blüten bedecken, oder später, wenn der Weißdorn seine schimmernden, stark duftenden Dolden entfaltet, oder hinterher, brechen an den Rosenbüschen die reizenden Knospen auf. Aber auch wenn die Büsche selber nicht mehr blühen, bleibt es bis in den Herbst hinein noch bunt von blauen Glocken, roten Lichtnelken, weißem Labkraut und gelber Goldrute; wenn diese verwelken, schmücken sich die Zweige mit scharlachrotem und goldgelbem Laube, und fällt das ab, so funkeln, blitzen und leuchten die schwarzen, blauen und roten Beeren am kahlen Gezweige.

Mit dieser Pracht ist es nun auch fast zu Ende. Die Brombeeren sind abgefallen bis auf einige, die nicht mehr zur Reife kamen und nun verdorrt an den Stielen zwischen den eingeschrumpften Blättern hängen. Die Rosen haben zwar noch viele von den Hagebutten, doch sind sie von dem Nachtfroste verschrumpft und leuchten nicht mehr so herrlich, wie im Spätherbste, und auch die Mehlfäßchen an dem Weißdorne verloren ihr prächtiges Aussehen und fangen an, sich zu bräunen. Einzig und allein die Schlehen haben noch die meisten ihrer blaubereiften Früchte bewahrt, doch werden es von Tag zu Tag weniger, da Sturm und Regen sie nach und nach von den Zweigen reißen und zu Boden werfen. Dennoch ist die Hecke immer noch schön. Sie war es eben, wo sie als braunblaues Bollwerk von dem Schnee abstach, und ist es jetzt erst recht, denn die Sonne ist durchgekommen, und das verworrene Gezweige blitzt und schimmert und leuchtet, als bestände es aus Erz.

Auch fehlt es nicht an allerlei Leben. Zwar die Grasmücken und Braunellen, die sommertags hier umherschlüpfen und fleißig singen, sind verzogen, die Falter starben ab oder sitzen in Todesstarre in ihren Winterverstecken, wie auch der Laubfrosch, der in der schönen Zeit hier so oft lustig meckert, in seiner Erdhöhle die bitteren Tage verschläft, und die Eidechse, die im Sommersonnenscheine hin und her huscht, desgleichen tut; aber alle Augenblicke schwirrt oder burrt es heran, denn alles kleine Vogelvolk, das über die Feldmark dahinfliegt, macht hier gern Rast. Feld- und Haussperlinge fallen in ganzen Flügen ein, Buchfinken und Grünlinge, Stieglitze und Hänflinge, desgleichen die Goldammern und die plumpen Grauammern, die mit trockenem Geklapper fortfliegen, wenn ein Mensch den Weg entlangkommt.

Ab und zu stellt sich auch anderer Besuch ein. Da sind die wunderschönen Dompfaffen, die hier immer haltmachen, wenn sie den Wald mit den Obstgärten des Dorfes vertauschen wollen, oder die Krammetsvögel, die von den höchsten Zweigen der Schlehdornbüsche Umschau halten, ehe sie zu Felde fallen. Dann und wann nimmt hier auch der Raubwürger aus Nordland Platz oder eine der Elstern, die in den hohen Pappeln des Gutes ihr Dornennest haben, oder einige Meisen suchen ein Weilchen in dem Gezweige nach Raupeneiern und wandern dann lustig lockend dem Walde oder dem Dorfe zu, und manchmal stöbert auch ein Eichelhäher da herum und tut sich an den Beeren gütlich, oder eine Krähe lauert am Boden auf eine Maus.

Die wohnen auch um diese Zeit in der Hecke, sowohl die braunen Waldmäuse wie die schön schwarzgestreiften Brandmäuse und auch die zierlichen Zwergmäuschen, denn sie finden im Laube allerlei Körner und Samen und dazu noch die abgefallenen dürren Beeren sowie manchen Käfer und allerlei anderes kleine Getier, das in dem trockenen Laube den Winter verschläft. Auch Feld- und Rötelmäuse gibt es dort sowie die dicke Wühlmaus, und deswegen läßt sich das Wiesel und das Hermelin oft da blicken, um auf sie zu jagen.

Die Sonne ist wieder fortgegangen, der Himmel wird grau, ein Wind macht sich auf, und es beginnt zu dämmern. Da kommt es mit lauten Locktönen herangeflattert. Die Goldammern sind es. Sie fallen auf den Zweigen ein, sträuben die gelben Schöpfchen, zucken mit den Schwänzen, zanken und zergen sich ein wenig und schlüpfen dann tief in das Gebüsch hinein, wo sie noch ein Weilchen herumrascheln, um dann einzuschlafen. Unter ihnen her schlüpft das Hermelin und wittert nach ihnen empor, traut sich aber wegen der scharfen Dornen nicht hinauf und huscht deshalb nach der Strohdieme, um dort auf die Mäusejagd zu gehen. Es beginnt verloren zu schneien. Allmählich fallen die Flocken dichter, bedecken die Saat und den Sturzacker und bleiben in den Zweigen der Hecke und auf dem Dürrlaube der Brombeeren hängen, alles verhüllend, was darunter schläft und atmet.

Morgen früh aber, wenn die Sonne kommt, beginnt es da wieder zu leben. Die Ammern erwachen, putzen ihr Gefieder und fliegen zu Felde. Die Spatzen kommen an, und die Finken, die im Walde geschlafen haben, und so vergeht keine Stunde, daß auf der Dornhecke nicht irgendwelches fröhliche Leben ist, während ringsum im Felde alles weiß und tot ist. http://gutenberg.spiegel.de/buch/1638/21
(Mein buntes Buch, Naturschilderungen, Hermann, Löns, Adolf Sponholtz Verlag, Hameln/Hannover, 1913)
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Alternativen zu den Gülle- und chemieverseuchten Agrarwüsten!

Projekte und Alternativen zur Bodenerosion, Bodenverdichtung, Vergiftung von Boden, Wasser und Luft mit Gift
sowie zur Ausräumung der Landschaft (zu den "Agrarwüsten"), besonders durch Vernichtung der linearen Biotopverbindungen in Form von Hecken, Wallhecken, Wegeseitenrändern (Krautsäumen): (siehe auch:
www.hecke.wg.vu)

Agroforst-Systeme:
http://mediathek.daserste.de/suche/16964546_agroforst-statt-monokultur-?s=b%C3%A4ume
Siehe auch:
www.hecke.wg.vu
und:

http://oekoregion-kaindorf.at/index.php/arbeitsgruppen/ag-landwirtschaft/agroforstsystem/agroforst

http://oekoregion-kaindorf.at/images/stories/AG-Landwirtschaft/Bilder_Dateien/folder_a5_neu.pdf
oder:

http://www.agroforst.de/1-start.html

Humusprojekte:
http://oekoregion-kaindorf.at/index.php/arbeitsgruppen/ag-landwirtschaft/humusaufbau-projekt
Film zu den Projekten:

http://www.humus-derfilm.at/fieberhafte-suche-nach-loesungen.html
http://www.humus-derfilm.at/filmtrailer.html

Pflanzenkohle-Projekte - terra preta:
http://oekoregion-kaindorf.at/index.php/arbeitsgruppen/ag-landwirtschaft/pflanzenkohle-projekt
http://terra-preta.de/
http://www.planet-wissen.de/natur_technik/wald/amazonien/terra_preta.jsp
http://www.triaterra.de/Terra-Preta/Geschichte-und-Theorie-der-Terra-Preta
http://www.swr.de/im-gruenen-rp/-/id=100810/nid=100810/did=5590462/p2g5d5/index.html
http://www.ithaka-journal.net/terra-preta-ein-modell-fur-regionales-stoffstrommanagement
http://www.das-gold-der-erde.de/index.php?id=3
http://www.projekt-permakultur.de/2011/02/10/ein-versuch-der-terra-preta-herstellung/
http://www.terrapretawiki.org/index.php?title=Hauptseite
http://www.permakultur-institut.de/800.2/800.2.9/index.html

Terra Preta im Wendland:

http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/heide/wundererdewendland101.html
 

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